Im Nationalpark, wo das Meer zum Heilmittel wird: das Meeresheilzentrum Taean

Die Wasserfarbe an Koreas Westküste ist eine andere als an der Ostküste. Weite Flächen, die das zurückweichende Watt freilegt, niedrige Wellen und darüber ein Sonnenuntergang, der sich lang über den Horizont legt. Am Dalsanpo-Strand im Taean-Küsten-Nationalpark gelegen, nutzt das Meeresheilzentrum Taean das Meer nicht bloß als Landschaft, sondern als Heilmittel.

Eine Einrichtung, die das Meer als Ressource neu liest

Thalassotherapie nutzt das, was das Meer bereithält – Meerwasser und Watt, Salz, Algen und das maritime Klima – für die Gesundheitsvorsorge. In Deutschland und Frankreich ist sie seit Langem als Teil von Kur und Rehabilitation etabliert. In Südkorea eröffneten in den vergangenen Jahren, beginnend mit Wando in der Provinz Süd-Jeolla, nach und nach die ersten Einrichtungen.

Das Meeresheilzentrum Taean unterscheidet sich von anderen Einrichtungen vor allem durch seine Lage und seine Materialien. Es ist die einzige Anlage Südkoreas in einem Küsten-Nationalpark und setzt vor allem Solegrundwasser und Torf ein. Torf entsteht aus über lange Zeit abgelagerten Pflanzenresten und wird in der europäischen Badekultur seit Langem als Material für Packungen verwendet.

Etagenweise vom Wasser zur Körperarbeit

Das Gebäude umfasst ein Untergeschoss und zwei oberirdische Stockwerke. Im ersten Obergeschoss dreht sich alles um Wasser. Dort befinden sich ein Badebecken, ein Watsu-Becken, Halotherapie und ein Torfprogramm mit fernem Infrarot. Beim Watsu liegt der Körper auf warmem Wasser. Die Muskeln lockern sich, und man gleitet ganz natürlich in einen Zustand der Entspannung.

Im zweiten Obergeschoss wird direkt am Körper gearbeitet. Dort gibt es Therapieräume für Kopfhaut, Gesicht und den ganzen Körper sowie Wärmekapseln und eine Sauerstoffkammer. Das Angebot gliedert sich in neun grundlegende Programme für Einsteiger und sieben spezialisierte Anwendungen zur intensiven Betreuung.

Drei Anwendungen mit Torf

Am deutlichsten zeigt sich das Profil des Zentrums in seinen Torfprogrammen. Dazu gehören eine Torfbehandlung mit einem Biophotonengerät, eine Torfpackung, bei der der Körper mit natürlichem Torf umhüllt wird, und ein Torf-Vichy-Peeling mit Meersalz. Dabei werden Temperatur, Mineralien und Druck kombiniert, um die Anspannung des Körpers Schritt für Schritt zu lösen.

Draußen verändert sich der Charakter des Angebots. Ein nach dem Meer ausgerichteter Bereich für Hydrotherapie im Freien mit Badebecken, Aromaspas und Infinitypool öffnet sich zur Küste. Daneben schließen sich ein Strand-Yogastudio, ein Phytonzid-Garten, ein Ruhebereich und ein Bambus-Heilgarten an. So ergibt sich ganz selbstverständlich ein Ablauf: drinnen den Körper aufwärmen und anschließend unter der Meeresbrise zur Ruhe kommen.

Auch als Ort für Meditation geeignet

Das Zentrum versteht sich nicht ausdrücklich als Meditationsstätte. Wer meditieren möchte, findet jedoch gute Bedingungen vor. Im Strand-Yogastudio kann man im Freien sitzen und dem Rauschen der Wellen lauschen. Im Bambus-Heilgarten eignet sich der Weg entlang des Raschelns der Blätter für Gehmeditation. Ein Watsu-Programm, bei dem man sich dem Wasser anvertraut, schafft eine Erfahrung, die einem Bodyscan nahekommt.

Wie man die freien Zeiten zwischen den Programmen nutzt, prägt den Charakter des Tages. Wer im angeschlossenen Heilzimmer übernachtet, kann sich am frühen Morgen eigens Zeit nehmen, vor dem Meer zu sitzen.

Anreise und praktische Hinweise

Die Adresse lautet 85-59 Dalsanpo-ro, Nam-myeon, Landkreis Taean, Provinz Süd-Chungcheong. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist bequemer als mit öffentlichen Verkehrsmitteln; die Parkplätze sind kostenlos. Von Seoul aus führt die übliche Route über die Seohaean-Autobahn in Richtung Taean.

Die Nutzung ist nur nach vorheriger Reservierung möglich. Reservierungen und Auskünfte unter 041-671-7300; ausführliche Informationen gibt es auf der offiziellen Website (chiu.taean.go.kr). Zur Ausstattung gehören Duschen, Umkleideräume und ein Ruheraum.

In der Umgebung liegen der Taean-Küsten-Nationalpark und der Tempel Anmyeonam, der Dalsanpo-Strand befindet sich direkt vor der Tür. Vor oder nach den Anwendungen bietet sich ein Spaziergang auf dem Küstenweg an.

Die Westküste und ihre eigene Wellness-Sprache

Die Meeresheilzentren in Südkorea stehen noch am Anfang. Nach der Eröffnung in Wando folgte Taean, auch in anderen Regionen laufen die Vorbereitungen. Die Einrichtungen unterscheiden sich je nach den Ressourcen, die sie nutzen. Taean profiliert sich derzeit mit Solegrundwasser und Torf.

Wenn es darum geht, für Reisende nach Südkorea geeignete Wellnessziele zu benennen, stellt sich nach Wäldern und Tempeln die nächste Frage: Kann auch das Meer eine tragende Rolle übernehmen? Die innerhalb der Grenzen eines Nationalparks gelegene Einrichtung versucht, darauf eine Antwort zu geben.