
Vor den Felsklippen des Bangucheon, an denen der Atem prähistorischer Menschen vor vor 7.000 Jahren spürbar ist, kehrt für Menschen von heute die einst verlorene Stille zurück
Was geht einem durch den Kopf, wenn man am Ufer steht, an dem Wale in den Fluss hinein- und wieder hinausziehen — eingraviert in den Fels? Erinnerungen daran, wie Fischer vor 7.000 Jahren mit ihrem Boot aufs offene Meer hinausfuhren, leben in jeder einzelnen, scharfen Linie fort, die in den Stein gezeichnet wurde. Der Bangucheon (盤龜川), der sich mäandernd durch den Bezirk Ulju in Ulsan schlängelt. Auf den Klippen darüber sind die „Felszeichnungen am Bangucheon“ eingraviert — die erste dokumentierte Walfangjagd der Menschheit und seit Juli 2025 als UNESCO-Welterbe des kulturellen Erbes (Weltkulturerbe) in die Liste eingetragen. In dieser traditionsreichen Naturlandschaft hat nun das Amgaksa-Ulsan-Museum die Tür zu einem besonderen Programm geöffnet.
Genannt: „Museum Therapy gemeinsam mit dem Weltkulturerbe“.
Das Museum als Raum der Heilung — Was ist „Museum Therapy“?
„Museum Therapy“ ist ein Konzept, bei dem Museen und Kunsthallen über das bloße Betrachten von Ausstellungen hinaus als Heilprogramm fungieren, das die emotionale Regeneration der Besucher fördert und psychische Stabilität stärkt. In Europa und Nordamerika ist dies derzeit auch ein Wellness-Trend: Dort empfehlen manche Ärztinnen und Ärzte inzwischen sogar den Besuch des Museums unter dem Namen „Museum Prescription“.
Das vom Amgaksa-Ulsan-Museum entwickelte Programm geht noch einen Schritt weiter. Als Kulisse dienen ein einzigartiger historischer Ort — das UNESCO-Weltkulturerbe — sowie die tiefe und weite Naturlandschaft rund um den Bangucheon. In dieser Umgebung sind Spaziergänge, Fotografie, Skizzen, Meditation und Yoga eng miteinander verwoben. Ein Ort, an dem Kultur- und Naturerbe und Heilung auf besondere Weise zusammenkommen.
Erstes Halbjahr: Die Landschaft des Bangucheon festhalten
Von April bis Juni, wenn das Frühlingslicht den Verlauf der Wasserwege des Bangucheon begleitet, konzentriert sich das Programm im ersten Halbjahr auf das „Festhalten“. Die Teilnehmenden gehen mit Kamera und Skizzenblock durch die Umgebung des Bangucheon und halten die Landschaft des Weltkulturerbes in Fotos, Texten und Zeichnungen fest.
Nicht mit dem Smartphone-Bildschirm, sondern mit dem eigenen Blick die Felsklippen hinauf betrachten; auf das Rauschen des Wassers hören; den Duft des Steins wahrnehmen — in solchen sinnlichen Momenten wird der Alltagslärm ganz von selbst leiser. So, wie es einst vor 7.000 Jahren war, als prähistorische Menschen Wale in diese Felsen ritzten, begegnet der Mensch auch heute an diesem Ort dem Welterbe auf seine ganz eigene Art. Mit der Kamera statt mit dem Pinsel, mit dem Bleistift statt mit dem Steinmeißel.
Fotos und Skizzen sind keine bloßen Hobbys. Sie sind Werkzeuge der Achtsamkeit (mindfulness), die einen ganz auf den gegenwärtigen Augenblick fokussieren. Die Erfahrung, Details des UNESCO-Weltkulturerbes durch das Objektiv zu betrachten oder Linien auf Papier nachzuziehen und die Umgebung Schritt für Schritt genauer zu erfassen, bringt die „Fähigkeit, langsam zu sehen“ zurück — jene Ruhe, die im hektischen Alltag leicht in Vergessenheit gerät.
Zweites Halbjahr: Meditation und Yoga in der Stille des Bangucheon
Von September bis November, wenn das Herbstlicht den Boden streift, heißt das Programm im zweiten Halbjahr „Heilung“. In dieser Zeit, in der Meditation, Yoga und Spaziergänge miteinander verbunden sind, steht im Mittelpunkt, Körper und Geist in der natürlichen Umgebung des Bangucheon zu entspannen.
Die Erfahrung, vor Ort vor den Felszeichnungen zu meditieren — eingraviert über mehr als 6.000 Jahre seit der Steinzeit — lässt sich nicht in jedem Meditationsstudio nachbilden. Die kühle Luft im Tal des Bangucheon, das Geräusch des fließenden Wassers und das sanfte Wippen der Blätter, die sich an die Felswand lehnen, schaffen den natürlichen Hintergrund für die Meditation.
Auch Yoga in der Natur funktioniert ähnlich: Statt eine Übung in geschlossenen Räumen auf der Matte zu machen, geht es darum, die Atmung zu ordnen und den Körper auf dem Boden eines UNESCO-Weltkulturerbes zu entfalten — so wird das Gefühl der Verbundenheit zwischen Körper und Natur besonders intensiv gestärkt. In diesem Raum, in dem die Lebendigkeit jener prähistorischen Menschen spürbar wird, die auf Walfang gingen, kann der moderne Mensch seine eigene Lebenskraft und seinen Körper neu wahrnehmen.
Die Felszeichnungen am Bangucheon — für sich genommen bereits heilend
Der wichtigste Grund, warum dieses Programm etwas Besonderes ist, liegt im Ort. Zwei Felszeichnungen, die an den Klippen des Bangucheon (Daegokcheon) eingraviert sind, der den Bezirk Ulju in Ulsan durchfließt, wurden am 12. Juli 2025 auf der 47. UNESCO-Sitzung in Paris endgültig in das Verzeichnis der 17 UNESCO-Weltkulturerbestätten unseres Landes eingetragen.
Das „Ulju Daegok-ri Bangu-dae Felsrelief“ (Nationaler Schatz Nr. 285) ist die älteste Überlieferung zur Walfangjagd der Menschheit: Auf einer Felsfläche mit etwa 4,5 m Höhe und 8 m Breite sind insgesamt 312 Darstellungen dicht eingraviert. Wale, Tiger, Hirsche, Wildschweine, Menschen, Boote und vieles mehr sind in erstaunlich realistischen Formen wiedergegeben. Das „Ulju Cheonjeon-ri Schriftstück und Felsgravuren“ (Nationaler Schatz Nr. 147) liegt etwa 2 km entfernt und zeigt rund 620 geometrische Figuren sowie Texte aus der Jungsteinzeit bis zur Zeit der Silla-Dynastie.
Die UNESCO-Welterbekommission bewertete die Felszeichnungen mit: „Ein Meisterwerk, das mit außergewöhnlicher Beobachtungsgabe realistische Bilder zeigt und mit einem einzigartigen Bildaufbau die künstlerische Leistung und Kreativität der Vorfahren veranschaulicht; außerdem ein herausragender Beleg für die Tradition der Felszeichnungen, die über etwa 6.000 Jahre hinweg fortgeführt wurde.“ Es ist ein äußerst seltenes Beispiel, das zugleich die Kriterien für den künstlerischen Ausdruck (Kriterium i) und die Kriterien als Zeugnis kultureller Tradition (Kriterium iii) erfüllt.
Seit der Eintragung ist die Zahl der in- und ausländischen Besucher, die den Bangucheon aufsuchen, deutlich gestiegen. Im Zuge dieser Entwicklung hat das Amgaksa-Ulsan-Museum das Programm „Museum Therapy“ so konzipiert, dass noch mehr Menschen das Weltkulturerbe „entspannt“ erleben können.
Das Amgaksa-Ulsan-Museum — Was für ein Ort ist das?
Das Amgaksa-Ulsan-Museum, das im Mai 2008 eröffnet wurde, ist ein spezialisiertes Museum für Felszeichnungen und spielt eine zentrale Rolle in der Forschung zu den Felszeichnungen von Daegokcheon und Bangu-dae. Es liegt am Eingang zur Bangu-gyo-Brücke entlang des Daegokcheon im Bezirk Du-dong-myeon in Ulju. Besonders beeindruckend ist das aus Holz errichtete Gebäude, das Wale in Form und Gestaltung aufgreift. Das Gebäude selbst ist ein Kunstwerk und zugleich eine Hommage an die Felsgravuren.
Im Inneren des Museums gibt es unter anderem Modelle in Originalgröße der Felszeichnungen von Daegokcheon und der Felsplatten von Cheonjeon-ri, dreidimensionale Videoeinrichtungen, die Alltagsszenen aus der prähistorischen Zeit zeigen, sowie einen Ausstellungsbereich für Kinder. So können Besucher jeden Alters die Inhalte erleben. Die Teilnehmenden von „Museum Therapy“ erschließen sich das Weltkulturerbe auf dreidimensionale Weise: Nachdem sie die Ausstellungen im Museum gesehen haben, geht es anschließend mit Aktivitäten im Freien im Bereich des Bangucheon weiter.
Worum es geht: Das Museum wird zum Ort der Erholung
Seitens des Museums heißt es: „Wir möchten, dass es kein schwieriger und langweiliger Ort ist, sondern ein Raum, in dem sich jeder entspannt ausruhen kann.“
Mit diesem Wunsch im Hintergrund ist dieses Programm auch ein neuer Versuch, das UNESCO-Weltkulturerbe von „einem Ort, den man besucht, um ihn sich anzusehen“ zu „einem Ort zum Ausruhen“ zu verändern.
Wenn die Stätte des Kultur- und Naturerbes als Raum für Heilung fungiert, wird dieses Erbe nicht zu einem bloßen Objekt aus der Vergangenheit, sondern zu einer lebendigen Gegenwart. Vor jenem Stein, an dem prähistorische Menschen vor 7.000 Jahren ihr Leben festhielten, ruht heute unser Leben. Vielleicht ist das gerade der menschlichste Weg, wie man ein Weltkulturerbe weiterführen kann.
Das diesjährige „Museum Therapy“, das kostenlos angeboten wird, ist jeweils für die ersten zwanzig Personen pro Monat vorbereitet — und richtet sich an alle, die diese Frage am liebsten ganz mit dem eigenen Körper erleben möchten.
Hinweise zur Anmeldung
In der ersten Woche jedes Monats ist eine Online-Anmeldung nach dem Prinzip „first come, first served“ auf dem Ulsan-Moa-Integrations-Reservierungsportal (ulsan.go.kr) möglich. Das Programm im ersten Halbjahr (April bis Juni) läuft derzeit, und das Programm im zweiten Halbjahr (September bis November) kann später auf die gleiche Weise angemeldet werden. Weitere Details finden Sie auf der offiziellen Website des Amgaksa-Ulsan-Museums oder telefonisch über die Zentrale (052-229-4797).
