
Jeder kennt die Erfahrung: Wenn man kurz vor den Prüfungen am Schreibtisch sitzt, bleiben die Buchstaben oft seltsam schwer im Blick. Der Wille zu lernen ist da, doch der Körper macht nicht mit – und schon eine kleine Unruhe reicht, um die Konzentration immer wieder aus dem Takt zu bringen.
Das „Inner WISE Heutagogy: Metakognition und Harmonie des Geistes“-Programm, das das WISE Yeongsan University Center for Teaching & Learning Development (Professor-Lernentwicklungszentrum) kürzlich durchgeführt hat, setzt genau an diesem Punkt an. Die Idee lautet, zunächst den Blick auf das Innenleben der Lernenden zu richten – bevor überhaupt Lernmethoden vermittelt werden.
Das Programm fand am vergangenen 8. für einen ganzen Tag statt, gemeinsam mit zehn Studierenden und drei Mitarbeitenden. Es war für jene Schülerinnen und Schüler gedacht, die zwar Lernbereitschaft haben, aber Schwierigkeiten bei Durchführungsstärke und Emotionsregulation erleben.
Statt des Hörsaals auf der Meditationsmatte, einen Tag lang mit einer Tasse Tee
Von morgens bis nachmittags verlief das Programm ganz anders als die vertraute Hörsaulatmosphäre. Die Teilnehmenden setzten sich nicht mit Schreibutensilien, sondern mit einer warmen Tasse Tee vor sich an den Platz. Mit einer Tee-Meditation, die alle Sinne weckt, starteten sie in den Tag – mit einer Zeit, in der sie sich auf die Wärme der Tasse, den Duft und den Geschmack konzentrierten, der sich langsam im Mund ausbreitet. Für einen Moment ging es darum, den Druck zu verlassen, etwas auswendig lernen oder lösen zu müssen, und stattdessen die Sinne dieser einen Gegenwart zu üben.
Das ungewohnte Wort „Metakognition“ – doch eine Fähigkeit, die jeder braucht
Im Mittelpunkt des Programms steht die Metakognition. Metakognition bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen Gedanken und Lernprozesse einen Schritt entfernt zu betrachten. Es ist die Kraft, selbst zu prüfen, was man weiß und was man nicht weiß und welche Lernweisen zu einem selbst besonders gut passen. Als zentrale Kompetenz, die über die Effizienz des Lernens entscheidet, wird sie im Schulunterricht jedoch oft nicht eigens behandelt. Das Yeongsan University Center for Teaching & Learning Development hat das Programm so entworfen, dass Studierende ihren Lernzustand objektiv wahrnehmen und selbst herausfinden können, was die Konzentration stört.
Der Klang von Singing Bowls und das Aromaanatmen – eine Zeit, in der Emotionen begleitet werden
Der Nachmittag war mit Aktivitäten gefüllt, die die Gefühle beruhigen und stärken. In der tiefen und langen Klangschwingung der Singing Bowls lösten sich die Anspannungen im Körper, und die Teilnehmenden machten eine Metta- bzw. Barmherzigkeitsmeditation (Zavisemast), bei der man sich selbst und anderen mit warmem Herzen zuwendet. Bei der Meditation, bei der der Atem den Duft des Aromas mitnimmt, wurde die Rhythmik von Ein- und Ausatmen gefestigt; das half dabei, den Geist ruhig werden zu lassen. Im Anschluss bot ein Programm zur Selbsterkenntnis Zeit, den eigenen Gemütszustand und Faktoren zu betrachten, die das Lernen behindern, und sich selbst mit aufmunternden Worten anzusprechen.
Solche Aktivitäten haben eine Bedeutung, die über reines Ausruhen hinausgeht. Wenn die Emotionen stabil werden, folgt die Konzentration – und auch die Widerstandskraft, um sich trotz innerem Schwanken wieder an den Schreibtisch zurückholen zu können, wird länger aufgebaut. Die Hochschulseite erklärte, das Programm solle nicht nur die Effizienz beim Lernen verbessern, sondern auch die psychische Widerstandsfähigkeit der Studierenden stärken.
Für ausländische Studierende: Echtzeit-Englischübersetzung in der Meditationszeit
An dem Programm nahmen auch ausländische Studierende teil. Meditation ist eine Aktivität, bei der man sich auf feine Empfindungen und die Sprache der Anleitung einlässt; wenn die Sprache anders ist, fällt es schwer, vollständig einzutauchen. Das Center for Teaching & Learning Development unterstützte daher eine Echtzeit-Englischübersetzung durch einen Meditationsexperten, damit die ausländischen Studierenden keine einzelnen Worte der Anleitung verpassten. Es war eine besonders sorgfältige Rücksichtnahme – genauso in der Zeit, in der man sich um die eigenen Gefühle kümmert, sollte sich niemand ausgegrenzt fühlen.
Heutagogy: Selbst lernen können – das stärke die Lernkraft
„WISE Heutagogy“, das der Veranstaltung zugrunde liegt, ist die Bildungsphilosophie der Yeongsan University. Heutagogy ist ein Konzept, das sich auf selbstbestimmtes Lernen bezieht, bei dem die Lernenden selbst entscheiden, was und wie sie lernen. Es geht dabei einen Schritt weiter als das Lernen, in dem man belehrt wird – und richtet den Fokus darauf, die Lernkraft selbst zu entwickeln. In einer sich schnell verändernden Zeit ist das eine Kompetenz, die Studierende brauchen, um ein Leben lang aus eigener Kraft weiterzulernen.
Lee Min-ju, Direktorin des Yeongsan University Center for Teaching & Learning Development, sagte: „Ich hoffe, dass die Studierenden in die Lage versetzt werden, ihre metakognitiven Fähigkeiten zu aktivieren, ihre Selbstlern-Handlungsfähigkeit zu erhöhen und stabile Lerngewohnheiten zu bilden.“ Außerdem sagte sie: „Auch künftig planen wir, verschiedene Programme auszuweiten, die Selbstregulationskompetenzen und inneres Wachstum der Studierenden unterstützen.“
Lernen ist nicht nur eine Sache des Kopfes. Erst wenn man den unruhigen Gedanken still betrachtet und die verteilten Sinne wieder sammelt, beginnt ein tiefes Lernen. Genau deshalb können Schülerinnen und Schüler, die ihren Geist über die Wärme einer Tasse Tee und den Klang der Singing Bowls sammeln, einen ganzen Semesterabschnitt mit deutlich gefestigter innerer Ruhe vor sich haben.“
