
Meditation verlagert sich von der Übung in sitzender Haltung hin zu einem Werkzeug, das den Rhythmus des Tages pflegt. Fasst man die jüngsten Entwicklungen von Calm (das als größte Meditations-App gilt) und Headspace sowie die von verschiedenen internationalen Wellness-Medien beschriebenen Entwicklungen zusammen, dann wächst die Meditation weltweit in drei Richtungen. Da ist erstens die Schlafmeditation, die das Einschlafen unterstützen soll. Zweitens die somatische Meditation, die Körper und Nervensystem in den Blick nimmt. Und drittens eine technologiegestützte Meditation, die entsprechend dem jeweiligen Zustand des Einzelnen „verschrieben“ wird. Gemeinsam ist allen dieser Tenor: Mehr Gewicht liegt auf Regeneration und Feinabstimmung als auf spektakulären Erfolgen.
Der Schlaf als Meditation zum Tagesende: der breiteste Zugang
Am schnellsten hat sich ein Strang in der Breite durchgesetzt: Meditation, die den Schlaf unterstützt. Die von Calm präsentierten Audio-Inhalte Sleep Stories (Schlafgeschichten) wurden seit dem Start des Services in den ersten zehn Jahren mehr als eine Milliarde Mal abgespielt. Das Unternehmen brachte im September 2025 zudem eine eigene App heraus, die sich ausschließlich mit Schlaf befasst: Calm Sleep. Daraus spricht die Einschätzung, dass Schlaf inzwischen der größte Einstieg für Menschen geworden ist, die eine Meditations-App suchen.
Auch Studien, die Effekte prüfen, liegen inzwischen vor. Eine randomisierte kontrollierte Studie, die am 4. Februar 2026 in der internationalen Fachzeitschrift „Journal of Medical Internet Research“ (JMIR) veröffentlicht wurde, untersuchte 135 Mitarbeitende einer Universität in Kalifornien (USA). Die Gruppe, die mit der Headspace-App täglich jeweils zehn Minuten über acht Wochen meditiert hatte, gab zu den Zeitpunkten nach zwei, fünf und acht Wochen an, dass die Schlafqualität jeweils besser sei als in der Kontrollgruppe (alle P〈.001). Die reale Schlafdauer, gemessen mit Wearables, nahm ebenfalls in der fünften Woche um etwa 24 Minuten zu. Allerdings war die Verbesserungsrate um die fünfte Woche herum am größten und ließ bis zur achten Woche nach. Die Forschenden sehen deshalb als offene Aufgabe, dass sich solche Routinen lange beibehalten lassen. Auch im Inland, wo viele Menschen von Schlafproblemen berichten, kann eine kurze Meditation vor dem Einschlafen der erste Schritt sein, um ohne großen Aufwand zu beginnen.
Somatische Meditation zur Rückkehr von Sicherheit in den Körper – und zur Regeneration des Nervensystems
Der zweite Trend verlagert den Fokus vom Kopf in den Körper. Internationale Wellness-Medien machen dieses Jahr vor allem eines zur großen Debatte: das somatische Vorgehen, das der Steuerung des Nervensystems dient – also der Fähigkeit, zwischen Anspannung und Entspannung hin und her zu wechseln. Dahinter steckt die Theorie des Neurowissenschaftlers Dr. Steven Porges. Als sich die Auffassung verbreitete, der Vagusnerv steuere das Empfinden von Sicherheit und Zugehörigkeit, richtete sich das Interesse verstärkt auf Methoden, mit denen man sich über Atmung und Körperempfindungen selbst beruhigen kann.
Die Praxis bleibt vergleichsweise schlicht. Längeres Ausatmen, Yoga Nidra zur Entspannung im Liegen und kurze Übungen, die die Wahrnehmung von Körperempfindungen schärfen, gelten als typische Beispiele. Forschende des UC San Diego in den USA hatten bereits berichtet, dass intensive Übungen für Körper und Geist relativ rasch Veränderungen in der Gehirnfunktion sowie in Blutwerten hervorrufen können. Die Idee, den Geist über den Körper zu regulieren, trifft auf bereits in Korea vertraute Praktiken wie Body-Scan, Qigong und auch „Guk Seon Do“, sodass der Ansatz weniger fremd wirkt, sondern vielmehr wieder neu gelesen wird.
„Noch kürzer, noch passender für mich“ – in einer Zeit, in der Technologie Meditation verordnet
Der dritte Punkt zielt darauf, Meditation zu personalisieren. Nach einer Zusammenstellung eines ausländischen Verlags für Rezensionen soll der Markt für Meditations-Apps im Jahr 2026 einen Umfang von rund 2,4 Milliarden US-Dollar haben. Calm hatte zuletzt bereits mehr als 4,5 Millionen bezahlte Abonnenten. Neue Apps entwickeln sich dabei so weiter, dass sie dem Nutzer anbieten, maßgeschneiderte Sessions zu absolvieren, sobald dieser seine aktuelle Gefühlslage eingibt – mit Atem- und Imaginationsanteilen. Gleichzeitig wird etwa Aura Ring oder die Apple Watch zunehmend dazu genutzt, Schlafmangel zu erkennen, um dann passende Regenerationsmeditationen vorzuschlagen.
Hinzu kommt, dass sich Gewohnheiten verbreiten: kurze Meditationen von zwei bis drei Minuten, die man in alltägliche Lücken steckt – etwa während des Kaffee-Aufbrühens oder auf dem Weg. Allerdings ist Technik nicht alles. In einer Umfrage des Pew Research Center lag der Anteil der unter 50-Jährigen, die Meditations-Apps verwenden, bei lediglich 22 Prozent. In einer Erhebung der US-Rentnervereinigung AARP gaben 71 Prozent der über 50-Jährigen an, dass sie Apps überhaupt nicht nutzen. Zwar gibt es immer mehr Hilfsmittel – doch am Ende führt jeder Mensch einen eigenen passenden Zugang. Selbst in der inländischen Umgebung, in der Apps und Wearables sich schnell durchsetzen, siedelt sich die Technik unter mehreren Wegen an, in die Meditation einzieht.
Oh Hye-seon, Herausgeberin von Healing News
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