
In dem Moment, in dem man den Blick ablegt, dringt der Klang in die Haut ein. Das immersive Sound-Meditationskonzert, das in Dongdaemun in Seoul stattfindet, eröffnet neue Perspektiven für die Sinne.
Den größten Teil des Tages verbringen wir mit „Sehen“. Smartphone-Bildschirme, Monitore, Landschaften hinter Glas. So wie die Augen nicht zur Ruhe kommen, werden Gehör und Körper immer flacher. Was wäre, wenn man die Augen für einen Moment schließt? Wenn im Dunkeln die Klänge zu leben beginnen und sich bewegen.
Am 1. und 2. Mai findet im Kim Hee-soo Art Center in Dongdaemun-gu, Seoul, ein eher seltenes Format in Korea statt: ein immersives Sound-Meditationskonzert. Der Titel lautet „Konzert im Dunkeln“. Wie der Name schon sagt: Die Besucher sitzen im Dunkeln, während sie eine Augenbinde tragen – und erleben das Konzert ausschließlich über Klang, Vibration und Duft.
Projekt zur Veränderung des Verständnisses für Kunst mit Behinderung
„Konzert im Dunkeln“ ist ein projektbasiertes Konzert, das von der Sozialgenossenschaft Kulturfabrik geplant und veranstaltet wird. Es wurde ins Leben gerufen, um über die Erweiterung der Sinne nach neuen Möglichkeiten der Kunst zu suchen und einen Perspektivwechsel in Bezug auf Kunst mit Behinderung anzustoßen.
Der Kern des Konzerts ist einfach. Augenbinden aufsetzen, sich hinsetzen. Und warten. Die Wellen der tiefen Frequenzen steigen langsam vom Fuß bis zum Kopf auf, und das Klingen der Singing Bowls füllt die Luft. Irgendwann beginnt der Körper, das Atmen wiederzuerkennen.
Dieses Konzert unterscheidet sich deutlich von einem üblichen klassischen Konzert oder einem Konzert mit Meditationsmusik. Es geht nicht darum, Klang „zu hören“, sondern ihn eher „zu fühlen“. Die Vibration durchdringt den Körper, der Duft berührt die Erinnerung – und tiefe Entspannung stellt sich ganz von selbst ein.
Schatten des Waldes – der Punkt, an dem Praxis und Klang sich treffen
Die gesamte meditative Musik und Soundgestaltung dieses Konzerts wird von „Schatten des Waldes“ geleitet.
Die Meditationskünstlerin Park Seol-a forscht im Masterstudium an der Abteilung Seonhak der Dongguk-Universität über Meditationspraxis und Coaching. Durch die Verbindung von Klang und Meditation treibt sie kontinuierlich Arbeiten voran, die innere Veränderungen anstoßen. „Soundmeditation“, die sie entwickelt, geht über das bloße Hören von Musik hinaus: Es ist eine praxisbezogene Erfahrung, bei der der Körper und die Gefühle durch Vibration entspannt werden und das Selbstbewusstsein erweitert wird.
In diesem Konzert realisiert Park Seol-a gemeinsam mit dem Soundkünstler Park Seo-hyeon ein immersives Sound-Umfeld. Dabei kombinieren sie Singing Bowls, Gong und Elemente der koreanischen traditionellen Musik, um die Zuschauer dabei zu unterstützen, ihren eigenen Atem und ihre Sinne viel tiefer wahrzunehmen.
„Wir nutzen unsere Sinne normalerweise immer nach außen. Dieses Konzert ist eine Zeit, in der man die Sinne nach innen richtet. Erst im Zustand des Nicht-Sichtbaren trifft man Atem, Gefühle und das innere Klingen der eigenen Person viel klarer an.“
— Park Seol-a (Meditationskünstlerin, Schatten des Waldes)
Lee Jong-deok Bangjja Yugi – mehr Tiefe durch den Klang der Tradition
Für dieses Konzert wird das Bangjja-yugi-Instrument des Handwerkers Lee Jong-deok verwendet. Bangjja-yugi ist eine traditionelle Metallkunst, die durch wiederholtes Hämmern vollendet wird, und zeichnet sich durch einen klaren, tiefen Klang sowie lange Resonanz aus. Diese feine Vibration regt die körperlichen Sinne des Publikums in Kombination mit Sound Healing mit ihrem ganz eigenen Klang besonders intensiv an.
Moderne Sound Art trifft traditionelles Handwerk. Einer der Gründe, warum „Konzert im Dunkeln“ nicht bei einem reinen Heilkonzert stehen bleibt, sondern kulturelle Tiefe besitzt.
Sechs Künstlerinnen und Künstler – eine Bühne, die Grenzen auflöst
Auf dieser Bühne wirken insgesamt sechs Künstlerinnen und Künstler mit, darunter Lee Hyun-a, Choi Ye-na, In Seung-hyun, Jo Seong-gyu, Park Seol-a und Park Seo-hyeon. Unter ihnen sind auch Künstlerinnen und Künstler mit Sehbehinderung. Sie setzen die Botschaft des Konzerts „Unsichtbare Sinne“ direkt auf der Bühne um und vollenden so eine integrative Kunsterfahrung, die die Grenze zwischen Behinderung und Nicht-Behinderung auflöst.
Im Dunkeln steht jeder auf derselben Startlinie. Das ist eine weitere Sprache, die dieses Konzert vermittelt.
Programm und Hinweise für die Teilnahme
Datum: 1. Mai (Fr) 16:00 Uhr / 19:00 Uhr
2. Mai (Sa) 14:00 Uhr / 17:00 Uhr
Ort: Kim Hee-soo Art Center, Dongdaemun-gu, Seoul
Tickets: Sitzplatzbereich S 10.000 Won / Sitzplatzbereich R 20.000 Won
Vorverkauf: Online-Ticketverkauf bei Interpark (NOL)
https://tickets.interpark.com/goods/26005709?SeatGrade=2&PriceGrade=01
Wichtige Hinweise: Nach Beginn des Konzerts sind kein Einlass und kein Auslass möglich. Vorheriger Einlass ist erforderlich.
Die Augen zu schließen ist kein Verzicht. Im Gegenteil: Es ist eine Tür, die man tiefer öffnet. In einem hektischen Alltag eine Zeit, in der man die Sinne kurz nach innen lenkt – „Konzert im Dunkeln“ wird diese Tür für Sie sein.
