Wenn von einer Firmenfortbildung die Rede ist, denken viele Beschäftigte zuerst an den Umtrunk im Anschluss an den Unterricht im Hörsaal. Inzwischen legen immer mehr Unternehmen bei Fortbildungen für ihre Mitarbeitenden Wert auf Erholung und neue Kraft – und die Programme verändern sich allmählich. Diesmal führte der Wandel hinaus aufs Meer.
Hyundai Yacht, die auf maritime Freizeitangebote spezialisierte Tochtergesellschaft der HLB Group, teilte am 27. Oktober mit, das Entspannungsmeditationsprogramm „Yacht Nidra“, das an Bord einer Yacht stattfindet, gezielt für Unternehmen und Gruppen auszubauen. Die Teilnehmenden stellen zunächst ihr eigenes Aromaöl her, gehen anschließend an Bord einer Segelyacht und praktizieren auf dem Meer Entspannungsmeditation. Das Angebot soll auch auf Firmenworkshops, Fortbildungen für Mitarbeitende und VIP-Veranstaltungen zugeschnitten werden – bis hin zur exklusiven Fahrt mit einer ganzen Yacht.

Den eigenen Duft kreieren, die Segel setzen: die drei Schritte von Yacht Nidra
Yacht Nidra vereint Segeln, ein Aroma-Erlebnis und Entspannungsmeditation. Zunächst stellen die Teilnehmenden ihr eigenes Aromaöl her. Danach gehen sie an Bord einer Segelyacht und fahren hinaus aufs Meer. An Bord folgt eine Entspannungsmeditation, bei der sie ihre Aufmerksamkeit nacheinander auf das Rauschen der Wellen, die Meeresbrise und die Bewegungen des Wassers richten. Das Unternehmen beschreibt das Programm als Entspannungsmeditation mit allen fünf Sinnen.
Der Name des Programms geht auf Yoga Nidra zurück. Dabei liegen die Teilnehmenden entspannt da und folgen einer angeleiteten Stimme, um nacheinander verschiedene Körperbereiche und den Atem wahrzunehmen und tief zu entspannen. Die Methode wird auch als „Yogaschlaf“ bezeichnet. Anders als bei der Aufforderung, still zu sitzen und die Gedanken loszulassen, folgt man dabei Schritt für Schritt den eigenen Körperempfindungen. Deshalb wird Yoga Nidra häufig als eine Meditationsform für Einsteiger vorgestellt, der auch Anfänger vergleichsweise leicht folgen können. Yacht Nidra ergänzt diesen Entspannungsprozess um Düfte, Meeresgeräusche und das Schaukeln des Bootes.

Eine ganze Yacht passend zu Gruppengröße und Budget: Vom Workshop zum exklusiven Charter
Im Mittelpunkt der Ankündigung steht ein maßgeschneiderter Charterservice. Hyundai Yacht teilte mit, Programme je nach Anlass, Teilnehmerzahl, Budget und Termin zusammenzustellen. Dabei könnten eine exklusive Yachtfahrt und eine private Meditationssitzung kombiniert werden. So sollen unterschiedliche Veranstaltungen – etwa Workshops einzelner Abteilungen, Fortbildungen für Führungskräfte oder Einladungen von Kunden – jeweils passend an Bord gestaltet werden können.
Ein Unternehmensvertreter erklärte, das Programm biete die Möglichkeit, inmitten der Landschaft der Westküste Meditation und Erholung auf dem Meer zu genießen. Das Unternehmen wolle sein Angebot für unterschiedliche Anlässe wie Firmenworkshops und VIP-Veranstaltungen weiter ausbauen. Preise, Dauer und maximale Teilnehmerzahl wurden in der Ankündigung allerdings nicht genannt. Auch auf der integrierten Buchungswebsite von Hyundai Yacht ist Yacht Nidra nicht als separates Angebot aufgeführt. Unternehmen und Gruppen, die teilnehmen möchten, müssen sich daher direkt an das Unternehmen wenden, um die Bedingungen zu vereinbaren.

Incheon 2021, Korea Tourism Organization 2023: das Meer vor Yeongjongdo
Das Programm wird vor allem rund um die Wangsan Marina auf der Insel Yeongjongdo in Incheon angeboten. Hyundai Yacht Incheon, das dort Yachtcharter veranstaltet, wurde laut den touristischen Informationen der Stadt Incheon gemeinsam von Hyundai Yacht und dem griechischen Yachtcharterunternehmen Cosmos Yachting gegründet. Demnach bietet das Unternehmen an der Wangsan Marina und am Han-Fluss in Seoul Erlebnisse wie Workshops und Segeltörns bei Sonnenuntergang an. Den gleichen Informationen zufolge wurde es 2021 von der Incheon Tourism Organization als Wellness-Reiseziel ausgewählt und 2023 zusätzlich von der Koreanischen Zentrale für Tourismus (KTO) als Wellness-Reiseziel ausgezeichnet.
Hyundai Yacht teilte mit, den Betrieb über die Wangsan Marina hinaus auf bedeutende maritime Zentren im ganzen Land auszuweiten und auch die Werbung für K-Wellness auf dem Meer für in Korea lebende Ausländer sowie ausländische Touristen zu verstärken. So wie Tempelaufenthalte und Meditation in buddhistischen Tempeln für viele Ausländer zum Aushängeschild koreanischer Meditation geworden sind, bleibt abzuwarten, ob Meditation in Verbindung mit dem Meer des Landes für ausländische Touristen zu einem weiteren K-Meditationserlebnis werden kann.
Ein Einstieg für alle, denen stilles Sitzen schwerfällt – aber nicht jeder fühlt sich auf dem Meer wohl
Für Berufstätige, die den ganzen Tag von Bildschirmen und Benachrichtigungen umgeben sind, ist es schwieriger als gedacht, sich in einen ruhigen Raum zu setzen und die Augen zu schließen. Wenn der Körper sich kaum bewegt, der Kopf aber nicht zur Ruhe kommt, kann die Aufforderung, still zu sitzen und nach innen zu schauen, sogar zusätzlichen Druck erzeugen. Den Duft mit den eigenen Händen auszuwählen, an Bord zu gehen, den Wind zu spüren und dem Rauschen der Wellen zu lauschen – diese Abfolge kann solchen Menschen einen Zugang zur Meditation eröffnen, indem sie nicht im Kopf, sondern bei den Sinnen ansetzt. Auch die gemeinsame Bootsfahrt mit Kolleginnen und Kollegen kann die Art verändern, wie ein Team seine Zeit miteinander verbringt.
Diese Methode eignet sich nicht für alle. Wer stark seekrank wird oder sich auf dem Wasser unwohl fühlt, kann das Schaukeln des Bootes als anspannend statt erholsam empfinden. Zudem sind Programme auf dem Meer stark von Wetter und Jahreszeit abhängig. Wer sich damit nicht wohlfühlt, kann dieselbe Entspannung auch an Land erleben – etwa bei einer Gehmeditation auf Waldwegen, einer Klangmeditation mit Klangschalen oder einer Yoga-Nidra-Sitzung im Liegen in Innenräumen. Wenn ein Unternehmen Meditation in sein Fortbildungsprogramm aufnimmt, sollte es nicht eine einzige Methode als die einzig richtige festlegen, sondern den Mitarbeitenden die Möglichkeit lassen, die für sie passende Form zu wählen.
Ob sich Fortbildungen, bei denen man statt eines Trinkglases das Meer vor sich hat und zur Ruhe kommt, weit verbreiten werden, ist noch offen. Klar ist: Meditation findet zunehmend Eingang in die Fortbildungspläne von Unternehmen, jenseits von Bergklöstern und Meditationszentren – und die Zugänge werden immer vielfältiger.
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