Die psychische Gesundheit wird als „mentale Fitness“ neu gefasst, während Stressregulation und soziale Verbundenheit Eingang in den Behandlungskatalog finden

Das US-amerikanische gemeinnützige Global Wellness Institute (GWI) hat am 6. April neun Entwicklungen für die Lifestyle-Medizin im Jahr 2026 vorgestellt.
Die vom Lifestyle Medicine Initiative veröffentlichte Liste basiert auf der Einschätzung, dass Interventionen zur Veränderung des Lebensstils ihren Platz als ergänzende Therapie verlassen und zur ersten Behandlungsoption werden. Zugleich zeigt sie, welche Rolle Meditation und Stressregulation dabei spielen.
Das Gremium wird gemeinsam von der US-amerikanischen Ärztin Melissa Sundermann und dem britischen Professor Sunil Kumar geleitet.
Nicht länger Ergänzung, sondern erste Therapie
Schon der erste Punkt macht die Richtung deutlich. Das GWI stellte klar, dass Lifestyle-Medizin keine zusätzliche Behandlung mehr sei. Evidenzbasierte Interventionen zur Veränderung des Lebensstils würden bei kardiometabolischen Erkrankungen, psychischer Gesundheit, Erkrankungen des Bewegungsapparats und in der Nachsorge von Krebsüberlebenden als zentrale Therapie eingesetzt.
Verordnet wird nicht Zeit, sondern Funktion
Der zweite und der vierte Punkt markieren einen Wandel im Umgang mit dem Körper. Der Fokus verschiebt sich von der Frage, wie viele Minuten jemand trainiert hat, hin zu funktioneller Leistungsfähigkeit, Muskelkraft, Gleichgewicht, maximaler Sauerstoffaufnahme und Mobilität. Krafttraining und kardiorespiratorische Ausdauer haben sich als unverzichtbare Bestandteile gesunden Alterns etabliert. Auch die Langlebigkeitsmedizin versteht die Lifestyle-Medizin zunehmend als ihre wesentliche Grundlage. Als wichtigste Faktoren für eine längere Zeit bei guter Gesundheit gelten die Qualität der Ernährung, körperliche Aktivität, Schlaf, Stressmanagement, soziale Verbundenheit und ein Sinn für das eigene Leben.
Bei der Ernährung setzt sich der Trend fort, nicht mehr einzelne Bestandteile isoliert zu betrachten, sondern eine möglichst wenig verarbeitete, pflanzenbetonte und ballaststoffreiche Kost in den Mittelpunkt zu stellen. Als Aufgabe wird ein Verhaltenswandel genannt, der Kochkenntnisse, kulturelle Angemessenheit und das Ernährungsumfeld gemeinsam berücksichtigt.
Von psychischer Gesundheit zu mentaler Fitness
Der fünfte Punkt steht der Meditation am nächsten. Das GWI sieht die Debatte über psychische Gesundheit in Richtung des Begriffs „mentale Fitness (mental fitness)“ rücken. Das Konzept umfasst Stressregulation, Erholung, Sinn und Verbundenheit. Es wird nicht nur dann berücksichtigt, wenn Probleme auftreten, sondern als Bestandteil des Alltagsmanagements verstanden. Es soll die Therapietreue, die Leistungsfähigkeit, die Widerstandskraft und das allgemeine Wohlbefinden fördern.
Auch der sechste Punkt, Schlaf und zirkadiane Rhythmen, steht in diesem Zusammenhang. Mit dem Aufstieg des Schlafs zu einer grundlegenden Säule richtet sich das klinische Interesse zunehmend auf die Synchronisierung der biologischen Rhythmen, Lichtexposition, Schlafdauer, die Entlastung von Schichtarbeitern und das Screening auf Schlafstörungen.
Einsamkeit als veränderbares Risiko
Der siebte Punkt ist die soziale Verbundenheit. Einsamkeit und soziale Isolation werden zunehmend als veränderbare Gesundheitsrisiken behandelt. Entsprechend verbreiten sich Gruppenbesuche, gemeinsame medizinische Termine und Trainingsgruppen. Meditationsgruppen oder Yogakurse erscheinen damit nicht mehr nur als individuelle Übung, sondern auch als Möglichkeit, Beziehungen aufzubauen.
Der achte Punkt richtet sich an die Gesundheitsfachkräfte selbst. Burnout-Prävention, Resilienz und nachhaltige Leistungsfähigkeit sollen wie die bei Patienten verordneten Maßnahmen als evidenzbasierte Verhaltensweisen behandelt werden. Der neunte und letzte Punkt beschreibt den Trend, dass künstliche Intelligenz und digitale Werkzeuge Wearables, Fernüberwachung sowie Labor-, Bildgebungs- und von Patienten gemeldete Daten zusammenführen und so personalisierte Empfehlungen zur Veränderung des Lebensstils unterstützen.
Offene Fragen für die Meditationsszene in Südkorea
Die aktuelle Trendliste enthält keine eigenen statistischen Kennzahlen. Sie ähnelt eher einem Dokument, das Konzepte und Entwicklungslinien ordnet. Dennoch ist die Entwicklung, Stressregulation, soziale Verbundenheit und Schlaf in die klinische Sprache aufzunehmen, auch für die Meditationsszene in Südkorea relevant. Im Ausland gibt es intensive Bestrebungen, Meditation aus wissenschaftlicher Sicht genauer und stringenter zu analysieren. In Südkorea fehlt es dagegen noch an umfangreicher Forschung; zudem ist es schwierig, überhaupt die nötigen Forschungsgelder für solche Studien bereitzustellen. Natürlich kann die Wissenschaft nicht alle Aspekte der Meditation erklären und verständlich machen. Ein solcher wissenschaftlicher Zugang ist jedoch besonders wichtig, wenn moderne Menschen logisch überzeugt und zur praktischen Umsetzung bewegt werden sollen.
