
Das Tempo der Stadt wird immer schneller, und die seelische Erholung kommt entsprechend langsamer. In einer Zeit, in der Meditation kein fremdes Wort mehr ist, hat Achtsamkeit (Mindfulness) ihre Anwendungsbereiche stetig erweitert – von der Stressreduktion über die Bewältigung von Depressionen bis hin zur Anwendung in Schulbildung und Unternehmensfortbildungen. Mit der zunehmenden Nutzung wächst auch die Neugier innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft: Wie soll Achtsamkeit mit anderen Formen des Heilens zusammenkommen? Welche Veränderungen bringt diese Begegnung in Klinik und Alltag?
Für diese Fragen wird nun eine wissenschaftliche Gelegenheit geschaffen, die sie direkt in den Blick nimmt. Die Gesellschaft für Achtsamkeitsheilkunde (Vorsitz: Prof. Yoon Hee-jo) veranstaltet am 29. Mai um 13:00 Uhr an der Wonkwang Digital University in Seoul ihre Frühjahrstagung 2026 zum Thema „Zeitgemäße moderne Anwendung integrativen Heilens auf Achtsamkeit-Basis“.
Achtsamkeit im Alltag angekommen – die nächste Frage heißt „Integration“
Achtsamkeit geht auf eine lange Tradition der Praxis zurück, die ihren Ursprung in Pāli Satī hat. Nachdem Dr. Jon Kabat-Zinn von der Medizinischen Fakultät der University of Massachusetts 1979 das Programm MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction) entwickelt hatte, fand es in der westlichen klinischen Psychologie und im medizinischen Bereich als Werkzeug für nicht-religiöse Interventionen seinen Platz. Auch in Korea wurde MBSR verbreitet; ebenso MBCT (Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie), Mitgefühlsmeditation und achtsamkeitsbasierte Achtsamkeit auf Grundlage von traumabezogenen Informationen – und damit wurde der Anwendungsradius kontinuierlich erweitert.
Der Hintergrund, warum diese Tagung „Integration“ zum Schwerpunkt macht, liegt in den veränderten Anforderungen vor Ort. In den klinischen wie auch in den nicht-klinischen Bereichen hat sich die Erkenntnis angesammelt, dass es mit nur einer einzelnen Achtsamkeitstechnik schwer ist, auf mehrschichtige Symptome von Emotionen und Körper zu reagieren. Gleichzeitig nimmt der Trend zu, dass Fälle häufiger werden, in denen sich Medizin, Psychotherapie, Bildung, körperliche Aktivität und Kunsttherapie mit Achtsamkeit verbinden.
Die Ansatzpunkte, die „Zeitgemäße moderne Anwendung integrativen Heilens auf Achtsamkeit-Basis“ herausarbeitet
Die Gesellschaft plant, aus beiden Perspektiven – Theorie und Praxis – zu untersuchen, in welchen Bereichen Achtsamkeit aufeinandertreffen kann und welche Wirkungen sowie Grenzen sichtbar werden. Theoretisch wäre es möglich, die Funktionsprinzipien der Achtsamkeit an den Schnittstellen zwischen Neurowissenschaft, Kognitionspsychologie und buddhistischer Psychologie erneut zu prüfen. Praktisch steht die Überprüfung von Integrationsmodellen in konkreten Anwendungskontexten auf dem Programm – etwa in der Schulbildung, in medizinischen Einrichtungen, bei der Wiederherstellung emotionaler Stabilität junger Menschen sowie in der Betreuung von Menschen mittleren und höheren Alters.
Auch die Ausrichtung der Tagung selbst ist bemerkenswert: Sie ist nicht nur als Raum für Forschende konzipiert, sondern als Ort, an dem Kliniker und Meditationslehrende in einem gemeinsamen Setting ihren Blick ausrichten. Denn die Herstellung einer Verbindung zwischen der Sprache der Praxis, in der Achtsamkeit tatsächlich eingesetzt wird, und der Sprache der Wissenschaft war bislang ein durchgängiger roter Faden der Aktivitäten der Gesellschaft.
Kontinuierlich wissenschaftliche Aktivitäten für die Ausbildung von Meditationslehrenden und zur Wiederherstellung der emotionalen Stabilität junger Menschen
Prof. Yoon Hee-jo, die/der die Gesellschaft leitet, ist Professorin an der Abteilung für Buddhismus der Wonkwang School of Buddhism Graduate University in Seoul. Sie/er ist zugleich die/der hauptverantwortliche Lehrende im Bereich Buddhistische Beratung und auch Direktorin des Instituts für Buddhistische Psychologie und Buddhistisches Consulting. Sie/er führt seit Langem Forschungen durch, in denen das begriffliche System der buddhistischen Psychologie und der buddhistischen Beratung in die Sprache der klinischen Praxis übertragen wird. Durch Übersetzungen und Veröffentlichungen wie „Einführung in die buddhistische Beratung“, „Wörterbuch der buddhistischen Psychologie“ und „Buddha und Freud“ hat sie/er die Schnittstelle zwischen buddhischem Verständnis des Geistes und moderner Psychotherapie kontinuierlich vermittelt.
Die Gesellschaft für Achtsamkeitsheilkunde hat bisher wissenschaftliche Aktivitäten und Workshops unter Themen wie Ausbildung von Satī- und Meditationslehrenden, Wiederherstellung emotionaler Stabilität junger Menschen und Stärkung der Fachkompetenz in MBI (Mindfulness-Based Intervention) fortgeführt. Auch die diesjährige Frühjahrstagung bildet in dieser Tradition den nächsten Schritt.
Während Achtsamkeit heute bereits mehr als nur ein Werkzeug geworden ist – nämlich zu einer Ressource für soziale Erholung –, erhalten die Fragen der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein besonderes Gewicht. Was ist wirksam, welche Grenzen sind erforderlich und für wen ist Heilung gedacht? Dieser Ort, der am 29. Mai an der Wonkwang Digital University stattfinden wird, dürfte ein halbtägiger Rahmen werden, in dem man die Antworten gemeinsam gestaltet.
