
Forschungsergebnisse legen nahe, dass Meditation Depressionen nicht nur deshalb lindert, weil sie negative Gedanken reduziert. Es könne vielmehr daran liegen, dass Meditation die Art verändert, wie eine Person sich selbst begegnet. Ein Forschungsteam der Cognition-, Health- und Society-Labors (C2S) der Université de Reims Champagne Ardenne in Frankreich – bestehend aus Céline Stinus und Sophie Berjot – veröffentlichte die Ergebnisse einer randomisierten kontrollierten Studie in der internationalen Fachzeitschrift Mindfulness. Das US-amerikanische Fachportal für Psychologie, PsyPost, stellte die Studie am 11. Juli ausführlich vor.
Konzentration oder Auflösung: Zwei Arten der Meditation nebeneinander vergleichen
Die Forschenden teilten 147 erwachsene Teilnehmende, die keine Meditationspraxis hatten und keine psychiatrische Diagnose erhalten hatten, zufällig in drei Gruppen ein. Eine Gruppe erlernte eine fokussierte Achtsamkeitsmeditation, bei der die Aufmerksamkeit auf Atmung und körperliche Empfindungen gelenkt wird (Atemmeditation, Body-Scan). Die andere Gruppe übte eine dekonstruierende Meditationsweise, bei der das Gefühl von „Ich“ in seiner Beschaffenheit betrachtet wird, also eine Selbsterforschungsmeditation. Die übrigen Teilnehmenden wurden einer Wartelisten-Kontrollgruppe zugewiesen, die kein Programm erhielt. Unter den Teilnehmenden waren überwiegend Frauen; das durchschnittliche Alter lag in den ausgehenden 40ern.
Das Programm lief über vier Wochen. Die Teilnehmenden nahmen jede Woche an einer Online-Gruppensitzung mit 60 Minuten teil und kombinierten dies mit einer Heimübung von täglich 20 Minuten, fünf Tage pro Woche. Die Forschenden erfassten vor und nach der Übungsphase gemeinsam depressive Symptome (Hospital Anxiety and Depression Scale, HADS), dysfunktionale Einstellungen sowie das Gefühl, dass die eigene Identität bedroht ist.
Beide Meditationen senkten die depressiven Symptome
Die Messergebnisse zeigten, dass die beiden Meditationsgruppen im Vergleich zur Wartelisten-Gruppe ihre depressiven Symptome deutlich stärker verringerten. Die Effektstärke (Cohens d) betrug bei der fokussierten Achtsamkeitsmeditation 0.47 und bei der Selbsterforschungsmeditation 0.67; zwischen den beiden Vorgehensweisen gab es keinen statistisch bedeutsamen Unterschied. Auch das Gefühl, dass man bedroht wird, ging in beiden Gruppen zurück (fokussierte Achtsamkeit 0.54, Selbsterforschung 0.45).
Im Detail zeigten sich jedoch Unterschiede. Die fokussierte Achtsamkeitsmeditation reduzierte dysfunktionale Einstellungen, die verzerrten Überzeugungen entsprechen, stärker als die Kontrollgruppe (d=0.77) und auch stärker als die Selbsterforschungs-Meditationsgruppe. Umgekehrt wurde in der Selbsterforschungs-Meditationsgruppe eine im Vergleich höhere Verbundenheit festgestellt, also das Gefühl, mit Menschheit und Natur verbunden zu sein. Die Forschenden zogen jedoch eine Grenze: Die Differenzen zwischen den Gruppen hinsichtlich dieser Verbundenheit seien ein exploratives Ergebnis, das statistisch nicht eindeutig bestätigt werden könne.
Auf unterschiedlichen Wegen zur gleichen Stelle: „Meditation ist nicht nur das Eine“
Obwohl beide Meditationen ähnliche Effekte erzielten, unterschieden sich die Wege, über die sie wirken. Bei der fokussierten Achtsamkeitsmeditation wurde der Rückgang der depressiven Symptome vollständig über die kognitive Distanzierung vermittelt, also darüber, die eigenen Gedanken einen Schritt entfernt zu betrachten. Bei der Selbsterforschungsmeditation ließ sich ein Teil der Erklärung über die Abschwächung des Bedrohungsgefühls der Identität liefern – und zwar durch die Verbundenheit mit der Menschheit. Das Forschungsteam um Stinus sagte: „Meditation ist nicht nur eine Sache; unterschiedliche Trainings können unterschiedliche psychologische Fähigkeiten fördern.“ Anschließend erklärte es: „Dass man für Depressionen anfällig wird, liegt nicht allein daran, dass man negative Gedanken hat. Es ist auch ein Problem, bei dem man sich selbst als verletzliches Wesen erlebt.“
Die Studie hatte allerdings Grenzen: Sie richtete sich an Menschen ohne klinische Diagnose und verfügte über keine langfristige Nachbeobachtung. Das Forschungsteam fügte hinzu, die Ergebnisse seien mit Vorsicht zu lesen. Dennoch wird die Studie als ein Resultat bewertet, das für jene nützlich ist, die Achtsamkeit im Alltag und in Beratungssituationen anwenden möchten – insbesondere, weil sie Hinweise darauf liefert, wie sich je nach Ziel unterschiedliche Meditationsarten empfehlen lassen.
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· PsyPost, „Letting go of a rigid self-image might be the secret to meditation's mental health benefits“ (2026-07-11) — https://www.psypost.org/letting-go-of-a-rigid-self-image-might-be-the-secret-to-meditations-mental-health-benefits/
· Originalarbeit: Stinus, C. & Berjot, S., „Preventing Depression through Selflessness...“, Mindfulness, Vol. 17, Issue 5 (Online 2026-03-26) — https://link.springer.com/article/10.1007/s12671-026-02817-7
