
Was in der Kindheit geschieht, bleibt lange im Körper gespeichert. Erfahrungen von Vernachlässigung und Misshandlung holen Depression und Angst auch im Erwachsenenalter häufig wieder ein. Genau bei Menschen mit diesem Hintergrund zeigten sich den Studienergebnissen zufolge besonders große Veränderungen durch ein Achtsamkeitstraining.
Gedanken im Blutdruck-Fokus: Was sich im Inneren verändert
Ein Forschungsteam der School of Public Health an der Brown University analysierte die Wirkung eines achtsamkeitsbasierten Programms auf depressive Symptome bei Erwachsenen und veröffentlichte die Ergebnisse am 5. Februar 2026. Die Studie wurde von Professor Eric Loucks geleitet, Direktor des Brown Mindfulness Center.
Die Untersuchung war als randomisierte kontrollierte Studie angelegt. Die Teilnehmenden wurden aufgeteilt in eine Gruppe von 101 Personen, die ein Achtsamkeitsprogramm erhielt, sowie eine Kontrollgruppe von 100 Personen, die eine verstärkte Alltagsbetreuung bekam; anschließend wurden sie sechs Monate lang nachverfolgt. Dabei wurden Veränderungen bei Blutdruck und Gesundheitsverhalten sowie bei der psychischen Gesundheit gemeinsam gemessen. Außerdem waren die Expositionsgrade gegenüber Misshandlung und Vernachlässigung, denen die Teilnehmenden in der Kindheit ausgesetzt gewesen waren, Bestandteil der Erhebung.
Depressive Symptome gehen signifikant zurück
Die Follow-up-Ergebnisse bestätigten eine signifikante Verbesserung depressiver Symptome bei denjenigen, die am Achtsamkeitsprogramm teilgenommen hatten. Professor Loucks sagte: „In diesem Programm haben wir gesehen, dass sich die psychische Gesundheit verbessert, insbesondere die Symptome einer Depression.“
Besonders bemerkenswert war, dass das Ausmaß der Verbesserung je nach Hintergrund der Teilnehmenden unterschiedlich ausfiel. Bei denjenigen, die in der Kindheit Vernachlässigung erlebt hatten, zeigte sich die größte Verbesserung. Bei Personen mit Misshandlungserfahrungen wurde zwar ein ähnlicher Verlauf beobachtet, doch war das Ausmaß vergleichsweise weniger deutlich.
Warum diese Unterschiede auftreten
Professor Loucks nannte drei Aspekte als Funktionsweise des Achtsamkeitstrainings. Es gehe darum, Selbstwahrnehmung, Aufmerksamkeitssteuerung und Fähigkeiten zur Emotionsregulation zu stärken.
Der Mangel in der Kindheit verengt die Voraussetzungen dafür, die eigene Verfassung wahrzunehmen und den Umgang mit Gefühlen zu entwickeln. In dem Prozess, in dem Erwachsene diese Fähigkeit später erneut trainieren, ist daher eine Auslegung möglich, dass Menschen mit einem niedrigeren Ausgangspunkt möglicherweise größere Veränderungen erlebt haben.
Welche Impulse sich für die Programmausgestaltung ergeben
Die Ergebnisse berühren die praktische Frage, wem ein Achtsamkeitsprogramm vorrangig angeboten werden soll. Wenn Erwachsene mit belastenden Erfahrungen im Kindesalter im Achtsamkeitstraining relativ großen Nutzen haben können, dann könnte sich auch die Auswahl der Zielgruppen für Angebote zur psychischen Gesundheit und die Art, wie Programme kommuniziert werden, verändern.
Allerdings ist zu beachten, dass es sich um eine einzelne Studie mit 201 Teilnehmenden handelt; daher sollte eine Ausweitung der Interpretation nicht voreilig erfolgen. Auch das Studienteam stellt Achtsamkeit nicht als Ersatz für bestehende Behandlungen dar, sondern als Ansatz, der gemeinsam eingesetzt wird.
