
Die Geschwindigkeit, mit der der Körper genesen ist, und die Geschwindigkeit, mit der auch der Geist wieder auf die Beine kommt, sind nicht dieselben. Depressionen bei Menschen nach einem Schlaganfall gelten seit Langem als Problem, das das Tempo der Rehabilitation mitbestimmt. Ein Forschungsteam des Qingdao Municipal Hospital hat acht randomisierte kontrollierte Studien zusammengetragen und ausgewertet, um zu untersuchen, welchen Einfluss eine achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR) auf Depressionen nach einem Schlaganfall hat. Die Ergebnisse wurden am 8. Mai 2026 in der internationalen Fachzeitschrift Frontiers in Psychiatry veröffentlicht.
Von 2012 bis 2025: Acht Studien aus drei Ländern
Die in die Analyse einbezogenen Studien sind acht randomisierte kontrollierte Studien, die zwischen 2012 und 2025 veröffentlicht wurden. Zwei aus den USA, eine aus Schweden und fünf aus China; insgesamt nahmen 469 Personen teil. Davon erhielten 233 Personen ein Achtsamkeitsprogramm, 236 Personen bildeten die Kontrollgruppe. Das Programm wurde größtenteils über acht Wochen in einem wöchentlichen Gruppensetting durchgeführt, einige Interventionen dauerten sechs Wochen. Die Inhalte umfassten Body-Scan-Übungen und Achtsamkeitsmeditation sowie sanftes Yoga – als Training, um den gegenwärtigen Moment ohne Urteil wahrzunehmen. Der Erstautor ist Yongsheng Li, die Co-Autoren sind Ying Sun und Shirong Bo.
Depressionswerte gehen deutlich zurück
In der Zusammenfassung der acht Studien lagen die Depressionswerte in der Gruppe mit dem Achtsamkeitsprogramm signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (Standardized Mean Difference SMD=-0.96, 95% Konfidenzintervall -1.35~-0.58, P〈0.001). Das ist bei Studien zu psychologischen Interventionen keine kleine Effektgröße.
Das Forschungsteam merkte jedoch gemeinsam an, diese Kennzahl nicht unbesehen als gegeben zu akzeptieren. Die Heterogenität, die die Streuung der Ergebnisse zwischen den Studien widerspiegelt, lag bei 71,0% und damit deutlich hoch. Das 95%-Vorhersageintervall unter Berücksichtigung zukünftiger Forschung umfasste zudem auch Bereiche ohne Effekt – von -1.95 bis 0.03.
Wo und wann die Intervention stattfand, machte den Unterschied
In der Subgruppenanalyse trennte sich das Ergebnis je nach Bedingung. In den in Asien durchgeführten Studien zeigte sich ein klarer Effekt (SMD=-1.27, P〈0.001), in den nicht-asiatischen Populationen war er jedoch nicht signifikant (SMD=-0.31, P=0.17). Das Forschungsteam verwies zwar auf die Möglichkeit, dass Unterschiede im kulturellen Kontext eine Rolle spielen, erklärte aber, dass es dafür bislang keine direkt überprüfbaren Daten gebe.
Auch nach dem Zeitpunkt unterschied es sich. Wurde mit der Intervention begonnen, nachdem sich der Zustand stabilisiert hatte, war der Effekt nachweisbar (SMD=-1.02, P〈0.001); startete man in der Akutphase, zeigte sich kein signifikanter Effekt (SMD=-0.80, P=0.14). Die Frage, wann man mit dem Programm zur Arbeit mit dem Erleben anfängt, könne das Ergebnis verändern, so lautet die Schlussfolgerung.

Die Evidenzstärke wird als »niedrig« eingestuft
Das Forschungsteam bewertete die Sicherheit der gesamten Evidenz als »niedrig«. Aufgrund der Charakteristika psychologischer Interventionsstudien sei eine Verblindung der Teilnehmenden und der Bewertenden schwer umzusetzen; deshalb wurden in den meisten Originalarbeiten die Verzerrungsrisiken als hoch eingeschätzt. Hinzu kämen eine große Heterogenität und die geringe Zahl der eingeschlossenen Studien, die bei acht Studien endet. Dadurch sinke die Präzision der Schätzung. Außerdem wiesen die Autorinnen und Autoren darauf hin, dass viele der Versuche keine Ergebnisse aus langfristigen Follow-ups berichteten.
Auch in Deutschland gibt es inzwischen Versuche, Achtsamkeitsprogramme in die Rehabilitationspraxis einzuführen. Die vorliegende Analyse zeigt zugleich das Potenzial – und hält den Hinweis fest, dass die gleichen Ergebnisse möglicherweise nicht erneut erzielt werden, wenn man nicht von Anfang an mitplant, zu welchem Zeitpunkt und bei wem die Intervention angewendet werden soll.
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