
Man sitzt still da und schließt die Augen – und manchmal werden die Gedanken dadurch erst recht lauter. Je intensiver man versucht, in sich hineinzuschauen, desto beklemmender kann sich das anfühlen. Sitzmeditation ist nicht für jeden geeignet. Die persische Sufi-Tradition hat schon vor langer Zeit einen anderen Weg eingeschlagen: drehen, Laute hervorbringen und gemeinsam atmen, um nach innen zu gelangen.
Übung des Loslassens im Drehen: Sama
Sama bezeichnet im Sufismus, der mystischen Tradition des Islam, ein Ritual, bei dem man Musik und Gedichte hört und sich dazu bewegt, um Gott näherzukommen. Der Mevlevi-Orden, der dem persischen Dichter Dschalal ad-Din Rumi aus dem 13. Jahrhundert folgt, machte Sama zum Mittelpunkt seiner spirituellen Praxis. Auf einem Fuß als Achse dreht man sich endlos gegen den Uhrzeigersinn und gelangt dabei in einen Zustand, in dem das eigene Ich verblasst. In der Türkei wird die Praxis Sema genannt; das Mevlevi-Sema-Ritual wurde 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.
Das Drehen wirkt wie ein spektakuläres Schauspiel, ist in Wirklichkeit jedoch eine äußerst einfache Wiederholung. Eine Handfläche zeigt zum Himmel, die andere zur Erde. Das symbolisiert, dass man das Empfangene unverändert weiterfließen lässt. Nach einigen Runden bleibt kaum noch Raum, an Gedanken festzuhalten. Meist stellt sich genau dann der Moment ein, in dem der Kopf zur Ruhe kommt.
Übung des Erinnerns durch Klang: Dhikr
Dhikr bedeutet auf Arabisch Erinnerung oder Gedenken. Bei dieser zentralen Sufi-Meditation ruft man den Namen Gottes oder kurze Gebete wiederholt laut aus. Damit nimmt sie eine ähnliche Stellung ein wie das Mantra in der hinduistischen Tradition oder das Dharani im Buddhismus. In Verbindung mit Atemtechniken, die über Jahrhunderte verfeinert wurden, entwickelte sich Dhikr zu einer Kernpraxis der Sufi-Orden.
Die Wiederholung ist kein Ausdruck von Langeweile, sondern ein Zugang. Wer denselben Laut immer wieder hervorbringt, lässt Stimmbänder, Brust und Bauch gemeinsam schwingen. Es geht weniger darum, den Klang zu hören, als selbst zum Klang zu werden. Dass die Versenkung beim Drehen noch tiefer wird, wenn Dhikr damit verbunden wird, ist seit Langem überliefert.
Zwei Stunden in Mapo: Mit Tanz und Klang zum wahren Selbst
Ein Workshop, in dem sich beide Übungen unmittelbar erfahren lassen, findet am Samstag, dem 12. September, von 16 Uhr an im Ras Yoga & Indischer Tanz im Seouler Bezirk Mapo statt. Der Titel lautet „Mit Tanz und Klang zum wahren Selbst“. In den zwei Stunden folgen aufeinander die Drehmeditation Sama sowie Dhikr mit Atem und Stimme.
Zuerst die passende Meditation finden
Zum Programm gehört eine Diagnose der sieben Meditationstypen. Das vom LHS-Institut für persönliche Typenforschung unter dem Namen „Seven Atma“ entwickelte Verfahren untersucht, ob man sich vor allem mit Denken, Gefühlen oder dem Körper identifiziert, und gibt Hinweise auf eine individuell passende Übungspraxis. Das Institut stellt die Methode als transpersonale Meditationstyp-Diagnose vor. Anschließend gibt es Gelegenheit, begleitet vom Klang von Klangschalen das eigene persönliche Mantra zu finden.

Zwei Begleiterinnen zwischen Indien und Persien
Durch den Workshop führen Nao und Nuri gemeinsam. Nao leitet das LHS-Institut für persönliche Typenforschung, hat ein Promotionsstudium der Philosophie an der Banaras Hindu University in Indien abgeschlossen und praktiziert seit mehr als 20 Jahren verschiedene Meditationstraditionen, darunter Sufismus, Vipassana, Zen und Tantra. Nuri ist Leiterin von Ras Indischer Tanz und Tänzerin; in Iran und der Türkei lernte sie Sufi-Tanz und die Kultur der Meditation aus erster Hand kennen. Außerdem arbeitet sie als Übersetzerin persischer Lyrik und hat Rumis 『Sonnengedichtsammlung』 ins Koreanische übertragen.
Viel braucht es zur Vorbereitung nicht. Bequeme Kleidung, in der man sich gut bewegen kann, reicht aus; ein weiter, langer Rock erleichtert das Drehen. Die zwei Stunden stehen allen offen, die sich nicht nur gedanklich verstehen, sondern sich über Körper und Klang selbst erfahren möchten.

[Mit Tanz und Klang zum wahren Selbst] – Workshop für persische Sufi-Meditation
📅 12. September (Samstag), 16.00–18.00 Uhr
📍 Ras Yoga & Indischer Tanz, 4. Stock, 49 Dongmak-ro 7-gil, Bezirk Mapo
💳 Teilnahmegebühr: 50.000 Won (Hana Bank 287-910107-06-007
🧘 Leitung | Nao × Nuri
Tee und Snacks werden angeboten
