
Reith bei Kitzbühel in Tirol, Österreich. Nicht weit von Kitzbühel, dem bekannten Skiort, steht am Berghang ein Yoga-Seminarhaus. Es ist kein Hotel, das sein Angebot um ein Yoga-Programm ergänzt. Die Einrichtung wird direkt von der Sivananda-Yoga-Organisation betrieben, die Swami Vishnudevananda 1957 gegründet hat. Die Zimmer haben weder Fernseher noch WLAN, und es gibt täglich zwei vegetarische Mahlzeiten. Den Tagesablauf gestalten die Gäste nicht selbst. Der Stundenplan steht bereits fest.

Den Tag mit Meditation um sechs Uhr morgens beginnen und mit Satsang am Abend ausklingen lassen
Der auf der offiziellen Website veröffentlichte Tagesplan sieht so aus: Von sechs bis halb acht Uhr morgens findet die Morgenmeditation statt, begleitet von Mantra-Rezitation und einem kurzen Vortrag. Von acht bis halb zehn folgt die erste Yogastunde mit Asanas, Pranayama und tiefer Entspannung. Der Tag ist ansonsten frei gestaltet. Von vier bis halb sechs Uhr nachmittags steht die zweite Yogastunde auf dem Programm. Abends, von acht bis halb zehn, findet der Satsang statt. Er besteht aus Meditation, Mantra-Rezitation und einem Vortrag und endet mit einer als Arati bezeichneten Lichtritual-Zeremonie.
In Wochen mit gutem Wetter wird ein Teil des Programms durch stille Gehmeditation ersetzt. Laut offizieller Information wird dies mehrmals pro Woche angeboten. Die Zeit, in der man schweigend über die Almwiesen und Waldwege der Alpen geht, tritt an die Stelle der Meditation im Innenraum. Dieser Tagesablauf mit zwei Meditationen und zwei Asana-Stunden wird im Seminarhaus in Reith regelmäßig angeboten.
Die Grundlage der Praxis bilden die fünf Prinzipien des Sivananda Yoga: richtige Bewegung, richtiges Atmen, richtige Entspannung, richtige Ernährung sowie positives Denken und Meditation. Deshalb finden Asanas, Pranayama, Entspannung, vegetarische Ernährung und Meditation alle im Tagesablauf Platz. Der Unterricht wird von Lehrkräften geleitet, die eine international anerkannte Sivananda-Yogalehrerausbildung absolviert haben. Die Traditionslinie geht auf Swami Sivananda (1887–1963) und seinen Schüler Swami Vishnudevananda (1927–1993) zurück.
Die offizielle Website nennt fünf Bestandteile des Tagesprogramms: Asanas und Pranayama, Meditation, tiefe Entspannung und Mantra; hinzu kommt das Studium der Yoga-Philosophie. Daher gehören kurze Vorträge zu den Morgen- und Abendveranstaltungen. Statt nur die Praxis zu wiederholen, erfahren die Teilnehmenden auch, woher sie kommt und worauf sie abzielt. Wer Yoga bisher vor allem als Sport kennengelernt hat, dürfte hier einen anderen Zugang erleben.

Kann man auch ohne jede Yoga-Erfahrung teilnehmen?
Ja. Laut offizieller Website werden Anfänger, Teilnehmende mit Vorerfahrung und Fortgeschrittene entsprechend ihrem jeweiligen Niveau angeleitet. Unter den Wochenthemen gibt es einen eigenen Kurs für Anfänger; in einem Yoga-Einführungsworkshop werden sanftes Yoga und Meditation für Einsteiger vorgestellt. Der Mindestaufenthalt beträgt zwei Nächte. Am Anreisetag beginnt das Programm um vier Uhr nachmittags mit einer Yogastunde.
Die Wochenthemen wechseln sich in einem Repertoire von knapp zwanzig Angeboten ab. Dazu gehören Meditationserfahrungen, Atemübungen, vertiefende Asana-Praxis, Wirbelsäulengesundheit, positives Denken, Yoga-Lebensstil, Yoga und Bergwandern sowie Wintersport und Yoga. Zu den saisonalen Veranstaltungen zählen ein Kirtan-Retreat, ein Allerheiligen-Retreat, Weihnachts- und Neujahrsretreats sowie spirituelle Retreats. Neu hinzugekommen ist ein Meditationsretreat. Damit gibt es eine weitere Möglichkeit für alle, die sich intensiver mit Meditation beschäftigen möchten.
Auch die Packliste verrät etwas über den Charakter des Angebots: Mitbringen soll man eine rutschfeste Yogamatte oder eine Wollmatte, eine Decke, ein Meditationskissen und einen Meditationsschal. Während des Aufenthalts wird darum gebeten, auf Kaffee und schwarzen Tee, Fleisch und Fisch, Eier, Zwiebeln und Knoblauch, Alkohol sowie Tabak zu verzichten. Diese Vorgabe entspricht den Ernährungsempfehlungen des Yoga. Für alle, die sich auf Reisen gern einen entspannten Tag gönnen, kann das eine Einschränkung sein. Wer dagegen eine Woche lang seinen gesamten Lebensstil umstellen möchte, findet darin einen hilfreichen Rahmen.
Dass das Seminarhaus auch ein Zentrum für die Yogalehrerausbildung ist, lässt auf die Intensität der Praxis schließen. Auf der offiziellen Website werden Yogalehrerausbildungen und Fortgeschrittenenkurse, ein Sadhana-Intensivkurs, Fortbildungen und eine Akademie angeboten. Das bedeutet: Retreats für Reisende und Ausbildungsprogramme für angehende Lehrkräfte finden im selben Haus statt. Wer sich zu Hause vorab mit dem Ablauf vertraut machen möchte, kann außerdem Online-Angebote wie Live-Drop-in-Stunden, Gruppenmeditationen und Pranayama-Kurse nutzen.

Zimmer mit weniger elektromagnetischer Strahlung, eine kleine Sauna und ein Biohotel gegenüber
Unterkunft und Verpflegung übernimmt ein Partnerhotel auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es ist biozertifiziert und trägt sowohl das EU-Ecolabel als auch das österreichische Gütesiegel für Kulinarik. Die Zimmer haben Holzböden, Gesundheitsmatratzen und meist einen Balkon. Fernseher und WLAN gibt es in keinem Zimmer. Die offizielle Information erklärt, diese Entscheidung solle die elektromagnetische Strahlung reduzieren. Neben Einzel- und Doppelzimmern gibt es Gemeinschaftszimmer für jeweils acht Frauen beziehungsweise Männer sowie ein Frauenschlafsaal. Ein Männer-Schlafsaal wird nicht angeboten. Ist das Hotel ausgebucht, übernachten die Gäste in einer nahe gelegenen Pension und nutzen die Mahlzeiten, die Yogaräume und die Sauna im Haupthaus.
Die Yogaräume sind auf drei Bereiche verteilt. Der kleine Wellnessbereich verfügt über eine finnische Sauna und eine Niedrigtemperatur-Sauna. Das Hotel nutzt Ökostrom, Pelletheizung und eine Solarthermieanlage für Warmwasser. Die Mahlzeiten werden vorwiegend aus Zutaten von Biobauernhöfen zubereitet; Obst kommt auch von den Obstbäumen und Beerensträuchern, die das Hotel selbst pflegt. Für vegane und glutenfreie Ernährung gibt es Alternativen. Glutenfreies Brot wird jedoch nicht angeboten, und auf die Möglichkeit einer Kreuzkontamination wird ausdrücklich hingewiesen. Auch der Hinweis, dass individuelle Ernährungswünsche nur eingeschränkt berücksichtigt werden können, fehlt nicht.
Im Herbst verändert sich die Aussicht aus dem Fenster. Die offizielle Website hebt die Tiroler Alpenlandschaft zu dieser Jahreszeit eigens hervor: Die Farben der Wiesen wandeln sich, und auf den Bergkämmen liegt der erste Schnee. Im Winter werden Themenwochen angeboten, die Yoga und Wintersport verbinden. So lässt sich der Tag mit Spaziergängen durch die verschneite Landschaft oder Skifahren verbringen, während morgens und abends Meditation auf dem Programm steht.

Wer Ende November einen Kurs auf 1.334 Metern Höhe sucht
Die Organisation bietet Kurse auch an anderen Orten als in Tirol an. Laut dem Programm für 2026 findet vom 26. Oktober bis zum 8. November ein Kurs in Mittersill in den Hohen Tauern statt, in Fieberbrunn in Tirol vom 22. November bis zum 3. Dezember. In Málaga in Spanien läuft ein Kurs vom 4. bis zum 8. Dezember, im indischen Rudraprayag im Himalaya vom 21. Oktober bis zum 19. November.
Der Kurs in Fieberbrunn findet an einem besonderen Ort statt: in einem umweltfreundlichen Berghotel auf 1.334 Metern über dem Inntal, mit Blick auf das Karwendelgebirge und den Tschirgantgletscher. Der Tagesablauf sieht so aus: Um sechs Uhr beginnt der Tag, um halb sieben folgen stille Meditation und Mantra. Von halb neun bis zehn Uhr stehen Asanas und Atemübungen auf dem Programm. Um halb elf gibt es einen vegetarischen Bio-Brunch. Von halb zwölf bis vier Uhr nachmittags ist freie Zeit für Spaziergänge, gelegentliche Vorträge, Sauna und Anwendungen. Von vier bis halb sechs folgen erneut Asanas und Atemübungen. Um sechs Uhr gibt es ein vegetarisches Abendbuffet. Um halb acht stehen stille Meditation und Mantra sowie Lektüre auf dem Programm. Ab zehn Uhr gilt Nachtruhe in Stille. Die Teilnahme an den Meditations- und Asana-Stunden ist verpflichtend, die Vorträge am Nachmittag sind freiwillig. Die Zimmer haben weder Fernseher noch WLAN, und auf dem gesamten Gelände gilt Rauchverbot.
Die Aktivitäten der Organisation reichen über Tirol hinaus. Auf der offiziellen Website finden sich eine Yoga Yatra und Retreats in Indien sowie eine Veranstaltung zum 100. Geburtstag von Swami Vishnudevananda. In Österreich werden außerdem Kurse in Bad Hofgastein angeboten. Wer nach einer Woche in Tirol über den nächsten Schritt nachdenkt, findet also bereits weitere Angebote.
Keinen Ablauf planen müssen, sondern sich dem Rhythmus der Übungsgemeinschaft anvertrauen
Der Ort eignet sich für alle, die eine Woche ihrer Reise dafür nutzen möchten, Körper, Atmung und Ernährung zugleich in eine neue Ordnung zu bringen. Auch wer lieber einem vorgegebenen Ablauf folgt oder sich auf stille Spaziergänge über die Almwiesen der Alpen freut, dürfte sich hier wohlfühlen. Statt eines klassischen Hotelerlebnisses geht es darum, sich dem Rhythmus der Übungsgemeinschaft anzuvertrauen.
Am Fuß der Tiroler Berge, wenn der Herbst weiter voranschreitet, beginnt der Tag um sechs Uhr morgens mit Meditation. Wer auf seiner Reise in die Alpen nicht nur die Berge betrachten, sondern den Tagesrhythmus an den Bergen ausrichten möchte, nimmt vielleicht eine tiefere Erfahrung mit nach Hause.
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