Ein Tag beginnt um vier Uhr morgens – gehen und sitzen in einem Tempel in Chiang Mai

Der Morgen in Chiang Mai beginnt mit einer Almosenprozession. Noch bevor die Sonne aufgeht, ziehen Mönche in orangefarbenen Roben durch die Gassen, und die Anwohner stellen Reis und Obst in ihre Schalen. Für Touristen ist es eine Szene, die als einzelnes Foto im Kopf bleibt. Doch auch Menschen, die in dieser Stadt verweilen, tun dies, weil es inmitten dieser Szene Gründe gibt – für genau jene, die dort sind. Tempel in Nordthailand sind seit Langem dafür bekannt, Ausländern einen Platz für die Praxis zu geben.

Wat Ram Poeng – hier sitzt man 26 Tage

Unter den Orten, die man nennt, wenn es um Meditations-Retreats in Chiang Mai geht, ist Wat Ram Poeng einer der ersten. Im Tempelgelände befindet sich das Northern Insight Meditation Center.

Der Grundkurs dauert 26 Tage. Im heutigen Umfeld sind kurze Erlebnisprogramme eher die Regel, dieser Kurs jedoch eher lang. Für Praktizierende, die den Grundkurs abgeschlossen haben, gibt es außerdem einen zehn Tage dauernden Vertiefungskurs. Je nach Lage kann man auch länger als zehn Tage und höchstens bis zu sechs Wochen bleiben; dafür ist eine gesonderte Genehmigung erforderlich.

Dass die Dauer lang ist, bedeutet: Dieses Programm ist kein Erlebnis, das sich in einen Urlaubsplan einfügen lässt. Es ist so aufgebaut, dass man den Ablauf der Vipassana-Praxis von Anfang bis Ende durchgehend nachvollzieht.

Der Tagesablauf – ab vier Uhr morgens

Der Ablauf ist schlicht, und es gibt kaum Lücken. Der Tag startet um vier Uhr mit dem Wecksignal. Man bringt Achtsamkeitsgebete dar, setzt die Gehmeditation (Gehpraxis) und die Sitzmeditation fort.

Das Morgenessen im Rahmen der Darbringung beginnt um sechs, die Mittagsdarbringung um 10.30 Uhr. Am Nachmittag folgt man der Tradition der thailändischen Theravada-Seite, bei der man keine Speisen zu sich nimmt. Gegen zwei Uhr nachmittags gibt es eine Zeit, in der man dem Lehrmönch den eigenen Praxisfortschritt des Tages meldet. Diese Tagesberichte können zeitlich angepasst werden.

Um acht Uhr abends geht es ins Bett. Während der Praxiszeit bleibt man im weißen Gewand gekleidet. Am buddhistischen Vollmond-Tag – Wan Phra – nimmt man an einem Ritual teil, bei dem man in den Haupt-Salons drei Runden um einen Stupa geht.

Teilnahmebedingungen und Antragsweg

Religion und Nationalität spielen keine Rolle. Wer einen gültigen Reisepass und ein Visum besitzt, kann teilnehmen. Das Zentrum hält seine Türen offen – mit der Begründung, dass das Läutern des Geistes eine persönliche Erfahrung sei.

Die Anmeldung erfolgt in der Reihenfolge, dass man das Büro entweder direkt aufsucht oder Kontakt aufnimmt, dann nach der offiziellen Bestätigung die erforderlichen Unterlagen vorbereitet.

Die Kosten sind nicht gesondert festgelegt und werden nicht im Voraus bekanntgegeben. Die Spenden werden im Tempelbüro in Form eines offiziellen Belegs entgegengenommen. Da es sich nicht um einen feststehenden Betrag, sondern um eine Spende nach den eigenen Möglichkeiten handelt, ist es sinnvoll, vor der Teilnahme im Büro nachzufragen und den üblichen Rahmen zu klären.

Wat Suan Dok – ein weiterer Zugang mitten in der Stadt

Wenn man vor der Planung des Praxisprogramms zuerst die Tempel-Kultur kennenlernen möchte, ist Wat Suan Dok eine gute Orientierung. Es ist ein Tempel, den König Khun Rama im Jahr 1370 für den Mönch Phra Sumana errichten ließ. Er liegt auf der Straße Suthep Road, etwa 1 km westlich des Wat Suan Dok-Gatens im Westen des alten Stadtgrabens von Chiang Mai.

Das Symbol des Tempels ist ein Chedi im Stil von Sri Lanka in Form einer Glocke, der 48 m hoch ist. Dazu kommen eine königliche Gebetshalle, die 1932 errichtet wurde, und eine 4,7 m hohe Bronzestatue, die 1504 gegossen wurde. Außerdem befinden sich ein weißes Grabmal, in dem die sterblichen Überreste der königlichen Familienangehörigen von Chiang Mai aufbewahrt werden.

Auf dem Tempelgelände gibt es das Mahachulalongkornrajavidyalaya Buddhistische College – Campus Chiang Mai. Dass hier Mönchsschüler unterwegs sind, prägt die Atmosphäre vor Ort.

Günstig für den Besuch ist die Zeit von November bis Februar – Visa-Typen vorher prüfen

Nordthailand teilt sich deutlich in Trockenzeit, Regenzeit und Phasen, in denen die Luftqualität schlechter wird. Üblicherweise gilt: Von November bis Februar ist es angenehm kühl und es gibt weniger Regen – das wird als gute Reisezeit eingeordnet. In den Monaten März und April gibt es Jahre, in denen sich durch Einflüsse wie das Abbrennen von Ackerflächen Dunst bildet. Wer auf die Atmung sensibel reagiert, sollte deshalb die lokalen Informationen zur Luftqualität prüfen und dann den Zeitplan festlegen.

Wer einen längeren Kurs plant, muss das Thema Visum zuerst klären. Beim 26-Tage-Kurs kann es Überschneidungen mit der visafreien Aufenthaltsdauer geben. Deshalb ist es ratsam, sich vor der Ausreise über die thailändische Botschaft oder das Konsulat die für einen selbst passende Visumsart bestätigen zu lassen.

Der internationale Flughafen von Chiang Mai liegt innerhalb der Stadt, sodass man ihn leicht erreichen kann. Von Incheon gibt es Direktverbindungen, außerdem gibt es viele Inlandflug-Verbindungen mit Umstieg über Bangkok. Vom Flughafen aus fährt man mit dem Auto bis zur Altstadt und in den Bereich Suthep. Wat Ram Poeng befindet sich im Stadtteil Suthep im Bezirk Mueang der Provinz Chiang Mai.

Chiang Mai als Ziel für Meditationsreisen

Mehrere Faktoren treffen zusammen, die den Hintergrund dafür bilden, dass Chiang Mai zu einem Ort für Meditationsreisen geworden ist. Die Stadt ist nicht besonders groß, die Wege sind daher einfach. Die Lebenshaltungskosten fallen relativ niedrig aus, und die Erfahrung der Tempel, die Ausländer aufgenommen haben, reicht schon lange zurück.

So, wie diese Stadt es handhabt, liefert auch Impulse für Meditationsreisen in anderen Teilen des Landes. Statt besondere Einrichtungen neu zu errichten, hat sich der Schwerpunkt darauf verlagert, dass vorhandene Praxisräume die Prozesse und Sprachen bereithalten, um ausländische Gäste zu empfangen. Nicht der Tempel wird zum reinen Touristenort, sondern die Praxis bleibt im Mittelpunkt, während Besucher weiterhin aufgenommen werden – dieses Gleichgewicht wirkt als Kraft, die dazu führt, dass man immer wiederkommt.

Offizielle Wat Ram Poeng-Website: Anleitung zum Vipassana-Kurs https://www.watrampoeng.com/vipassana-course

Telefon: +66 821 857 701, E-Mail: wrp.vipassana@gmail.com.

Facebook-Konto: watrampoeng.chiangmai