Von 30 Sekunden vor der Mikrowelle bis zum Kloster in Big Sur: acht internationale Meditationsmeldungen dieser Woche

Kurze Achtsamkeitsübungen im Alltag finden zunehmend Beachtung. Eine Person legt die Hände auf Brust und Bauch und konzentriert sich auf den Atem, während sie auf die Mikrowelle wartet (Bild: KI-generiert)
Kurze Achtsamkeitsübungen im Alltag finden zunehmend Beachtung. Eine Person legt die Hände auf Brust und Bauch und konzentriert sich auf den Atem, während sie auf die Mikrowelle wartet (Bild: KI-generiert)

Meditationen werden immer kürzer und finden ihren Weg in Geräte und Apps. Zugleich werden Stimmen lauter, die nach der Bedeutung traditioneller Lehren und der Anleitung durch Lehrende fragen. Hier sind acht kurze Meldungen aus der internationalen Meditationsszene aus der zweiten und dritten Oktoberwoche.

Auch 30 Sekunden Warten auf die Mikrowelle können zur Übung werden: die Mikropraktiken des Psychologen Eli Susman

Der US-Sender CNBC stellte am 20. Oktober das neue Buch Micropractice des Psychologen Eli Susman vor. Es versammelt kurze Übungen, die höchstens 30 Sekunden dauern. Zu den im Artikel beschriebenen Übungen gehören 30 Sekunden spontanes Tanzen, im Alltag allen Menschen, denen man begegnet, innerlich einen guten Tag zu wünschen, sowie bei aufkommender Eifersucht zu versuchen, die Freude anderer mit ihnen zu teilen. Susman betont, dass Regelmäßigkeit wichtiger sei als lange Übungszeiten. Als Gelegenheit zum Üben nennt er etwa das Warten auf die Mikrowelle oder an einer Ampel.

Studierende mit VR-Headset kamen häufiger in den Meditationsraum; die Angstwerte sanken in beiden Gruppen um die Hälfte

Forschende des Health Sciences Center der Louisiana State University in Shreveport veröffentlichten am 12. Oktober eine Pilotstudie in der Fachzeitschrift Frontiers in Digital Health. Sie teilten 22 Studierende aus Gesundheitsberufen mit erhöhten Angstwerten in zwei Gruppen ein: eine übte mit VR-Meditation, die andere mit Audio-Meditationen. Acht Wochen lang sollten sie mindestens zweimal pro Woche jeweils etwa zehn Minuten im Meditationsraum des Campus üben. Die VR-Gruppe absolvierte durchschnittlich 75 Prozent der empfohlenen Sitzungen, die Audio-Gruppe 53 Prozent; die Angstwerte sanken in beiden Gruppen um nahezu die Hälfte. Da es keine Kontrollgruppe gab, die nichts unternahm, lasse sich die Veränderung nicht eindeutig der Meditation zuschreiben. Auch habe sich kein Unterschied zwischen den beiden Methoden gezeigt, erklärten die Forschenden.

Eine App für Studierende mit Lernstress: Caldo verbindet Achtsamkeit mit personalisiertem Lernen

Das US-Unternehmen Yellow Lion Leaders teilte in einer Pressemitteilung vom 21. Oktober mit, die App Caldo für Studierende auf den Markt gebracht zu haben. Sie verbindet Achtsamkeit mit adaptivem Lernen, das sich dem Niveau der Lernenden anpasst, und richtet sich an Studierende, die unter Angst leiden. Die App deutet darauf hin, dass Lern- und Meditationsangebote, die bislang getrennt genutzt wurden, zunehmend auf einer Plattform zusammengeführt werden.

Ein Student meditiert mit einem VR-Headset im Meditationsraum des Campus (Bild: KI-generiert)
Ein Student meditiert mit einem VR-Headset im Meditationsraum des Campus (Bild: KI-generiert)

Reicht wertfreies Gewahrsein aus? Eine Analyse von 120 Studien beleuchtet vier Dimensionen buddhistischer Achtsamkeit

In der internationalen Fachzeitschrift Mindfulness erschien im Oktober eine Studie, die nach der Bedeutung von Achtsamkeit fragt. Der am 3. Oktober online veröffentlichte Scoping-Review analysierte 120 Arbeiten, die moderne und buddhistische Achtsamkeit miteinander vergleichen. Die Forschenden fassten zusammen, dass die untersuchte Literatur buddhistische Achtsamkeit als auf ein ethisches Leben und persönliche Veränderung ausgerichtet beschreibt, weises Urteilsvermögen einschließt, nicht von anderen Praktiken getrennt werden kann und als wachsames Bewahren des Geistes gilt, bei dem man die eigene Absicht nicht aus den Augen verliert. Zudem schlugen sie ein vierstufiges Achtsamkeitsmodell vor, das beide Perspektiven nicht als Gegensätze betrachtet, sondern als einander ergänzende Elemente verbindet. Im selben Monat erschienen auch eine Studie zur Konnektivität des Gehirns im Rahmen eines videobasierten MBSR-Programms (Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion), bei dem die Teilnehmenden ihr Tempo selbst bestimmen, sowie eine randomisierte kontrollierte Studie zu Verhaltensstrategien, die Meditations-Apps zur Gewohnheit machen sollen.

Nicht die Schattenseiten der Meditation, sondern fehlende Anleitung seien das Problem: Der tibetische Lehrer Anam Thubten widerspricht

Anam Thubten Rinpoche, der in der tibetischen Nyingma-Tradition praktiziert und in den USA die Dharmata Foundation leitet, veröffentlichte am 8. Oktober im buddhistischen Medium Buddhistdoor Global einen Beitrag, in dem er dem Begriff „Schattenseiten der Achtsamkeit“ widerspricht. Er räumte ein, dass Menschen während der Übung unangenehme Erfahrungen machen können, sieht das Problem aber weniger in der Achtsamkeit selbst als in der Art der Vermittlung und im Fehlen von Anleitung. Zur Veranschaulichung verwies er darauf, dass man nicht von den Schattenseiten des Gehens spreche, nur weil sich jemand dabei den Knöchel verstauche. In traditionellen Zusammenhängen hätten qualifizierte Lehrende darauf geachtet, ob Übende ausreichend vorbereitet seien. Durch die Kommerzialisierung sei heute jedoch schwer zu erkennen, wer auf welche Weise unterrichtet.

Auch Esalen und Tassajara wurden evakuiert: Meditationszentren in Big Sur trotzen Erdrutschen und Waldbränden

Der US-amerikanische Religionsnachrichtendienst Religion News Service berichtete am 21. Oktober, wie spirituelle Zentren in Big Sur in Kalifornien den Folgen von Klimakatastrophen standhalten. Der Highway entlang der Küste von Big Sur war nach mehreren Erdrutschen in den Jahren 2023 und 2024 fast drei Jahre lang unterbrochen und wurde im Januar 2026 wieder geöffnet. Doch im August wurden das Esalen Institute, das Yoga, Atemarbeit und Meditation im Westen bekannt machte, die katholische New Camaldoli Hermitage und das Tassajara Zen Mountain Center, ein Zen-Übungszentrum, zur Evakuierung aufgefordert. Angesichts der Sorge vor heftigen Winterregen durch El Niño und weiteren Erdrutschen beschloss die New Camaldoli Hermitage, den Winter über geschlossen zu bleiben. Auch ihre Zukunft sei ungewiss, berichtete der Nachrichtendienst.

Ein Mensch meditiert mit Blick aufs Meer in einem Retreatzentrum auf einer zerklüfteten Küstenklippe (Bild: KI-generiert)
Ein Mensch meditiert mit Blick aufs Meer in einem Retreatzentrum auf einer zerklüfteten Küstenklippe (Bild: KI-generiert)

Meditieren, diskutieren und vor Ort aktiv werden: ein zweiwöchiges Bodhisattva-Programm für junge Menschen in Taiwan

Das International Network of Engaged Buddhists (INEB) veranstaltet vom 21. Oktober bis zum 3. November in Taiwan ein internationales Bodhisattva-Programm für junge Menschen. Es findet gemeinsam mit dem Hongshi Buddhist College in Taiwan statt und umfasst neben Meditation, Diskussionen und Aktivitäten in der Gemeinschaft auch Besuche bei zivilgesellschaftlichen Organisationen, Regierungsstellen und buddhistischen Einrichtungen. Teilnehmen können junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren; eine buddhistische Zugehörigkeit ist nicht erforderlich. Das Programm spiegelt die Ausrichtung des Engagierten Buddhismus wider: Meditation soll nicht bei persönlichem innerem Frieden stehen bleiben, sondern zu einer Kraft für gesellschaftlichen Wandel werden.

Sieben Nächte für 7.000 Baht: Achtsamkeitswoche im thailändischen Plum Village im November

Das Internationale Übungszentrum Plum Village in Thailand, das die Tradition von Thich Nhat Hanh fortführt, veranstaltet vom 20. bis zum 27. November eine Achtsamkeitswoche. Veranstaltungsort ist das Übungszentrum in Pak Chong in der Provinz Nakhon Ratchasima. Es bietet Platz für 150 Personen; die Veranstaltung findet auf Vietnamesisch, Englisch und Thai statt. Sieben Übernachtungen mit Verpflegung kosten 7.000 Baht pro Person. Teilnehmen können Personen ab fünf Jahren; unter 18-Jährige müssen von einer erziehungsberechtigten Person begleitet werden. Die Online-Anmeldung begann am 25. August und endet, sobald alle Plätze vergeben sind.

Zwischen kürzeren Übungen und vertieften Fragen

30-Sekunden-Übungen, VR-Meditationsräume und Achtsamkeit in Lern-Apps senken die Einstiegshürde. Für Menschen, denen langes Sitzen schwerfällt, sind sie ein willkommener Zugang. In derselben Woche warnte ein tibetischer Lehrer vor Übung ohne Anleitung, während eine Fachzeitschrift die ursprüngliche Bedeutung von Achtsamkeit erneut in den Blick nahm. Leicht anfangen, zugleich nach verlässlicher Anleitung und einer Gemeinschaft suchen und Schritt für Schritt tiefer gehen: Das sind Kriterien, die alle im Kopf behalten sollten, die eine passende Meditationsform suchen.

Pressekontakt: fare3041@naver.com