Ein halber Tag in der Hängematte und in Meditation im Nationalen Waldheilzentrum Gimcheon

Fotoquelle: Korea Content Lab
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Sobald man einen Birkenwald betritt, verändert sich zunächst die Farbe. Während die meisten Wälder von Grün und Braun geprägt sind, stehen im Birkenwald die weißen Stämme senkrecht aneinandergereiht und brechen das Licht auf besondere Weise. Das Nationale Waldheilzentrum Gimcheon an der Adresse 1237-89 Sudogil in Jeungsan-myeon bei Gimcheon, Provinz Gyeongsangbuk-do, beherbergt einen in der Region Gyeongsangbuk-do seltenen Birkenwald am Fuß des Sudo-san.

Die Einrichtung wird vom Koreanischen Institut für Waldwohlfahrt betrieben, das dem Korea Forest Service untersteht, und verfügt über keine Übernachtungsmöglichkeiten. Es handelt sich nicht um ein Retreat mit Übernachtung, sondern um einen Ort der Heilung, den man für einen halben Tag oder einige Stunden zu Fuß erkundet und wieder verlässt. Auch bei der Planung einer Meditationsreise ist dies die unkomplizierteste Variante.

52 Hektar, über drei Jahre angelegt

Das Nationale Waldheilzentrum Gimcheon wurde von November 2016 bis Dezember 2018 angelegt. Die Gesamtfläche beträgt 52 Hektar. Die wichtigsten Baumarten sind Birken, Korea-Kiefern und Lärchen.

Im Wald gibt es vier benannte Bereiche: Sesimji, dessen Name „das Herz reinigen“ bedeutet, einen Steg zwischen Korea-Kiefern, den Birkenwald mit seinen langen weißen Stämmen und ein Feuchtgebiet der Koreanischen Halbinsel. Da Wege und Aufenthaltsbereiche voneinander getrennt sind, lassen sich Programme gestalten, in denen sich Bewegung und Ruhe abwechseln.

Bildquelle: Korea Tourism Content Lab
Bildquelle: Korea Tourism Content Lab

Barfuß gehen und in der Hängematte meditieren

Hier werden vier Waldtherapieprogramme angeboten.

„Sudo-san-Wellness-Therapie“ ist ein zweistündiges Programm für die Allgemeinbevölkerung und umfasst einen Spaziergang durch den Birkenwald sowie eine Therapie mit kleinen Hilfsmitteln. Es wird ausschließlich für Gruppen ab 20 Personen angeboten und kostet 10.000 Won pro Person.

Im Mittelpunkt des Programms „Sudo-san-Mind-Therapie“ steht die Meditation. Nach einer barfüßigen Wanderung durch den Korea-Kiefernwald folgt eine zweistündige Ruhemeditation in der Hängematte. Auch dieses Angebot richtet sich an Gruppen ab 20 Personen und kostet 10.000 Won pro Person. Die Teilnehmer spüren dabei zunächst Erde und Laub unter den nackten Füßen und überlassen sich anschließend in der Hängematte dem sanften Schaukeln, während sie zwischen den Ästen zum Himmel blicken.

Für Jugendliche gibt es „Heilendes Trommeln im Sudo-san-Wald“. Das dreistündige Programm verbindet eine Wanderung zwischen Korea-Kiefern- und Birkenwald mit Ensembletrommeln und Waldmeditation. Es richtet sich an Gruppen ab 20 Personen und kostet 15.000 Won pro Person. Auffällig ist die direkte Abfolge von Aktivitäten mit kräftigen Klängen und Phasen der Stille.

Ein Programm für Einzelbesucher ist die „Wärmetherapie“. Dabei stehen eine einstündige trockene Halb­körperbad-Sitzung und ein Heiltee auf dem Programm; anmelden kann man sich bereits ab einer Person. Die Gebühr beträgt 11.000 Won für Einzelpersonen und 10.000 Won für Gruppen.

Eines von zehn nationalen Waldheilzentren

Um die Stellung des Nationalen Waldheilzentrums Gimcheon zu verstehen, muss man auch den institutionellen Rahmen betrachten. Das Gesetz über Waldkultur und Erholung definiert einen Wald der Heilung als „einen Wald, der für Waldtherapie angelegt wurde (einschließlich der Einrichtungen und der dazugehörigen Grundstücke)“. Waldtherapie ist darin als „eine Aktivität zur Stärkung der Immunabwehr und zur Förderung der Gesundheit des menschlichen Körpers durch die Nutzung verschiedener Elemente der Natur wie Düfte und Landschaften“ festgelegt.

Insgesamt zehn nationale Waldheilzentren werden vom Koreanischen Institut für Waldwohlfahrt betrieben. In der Hauptstadtregion gibt es zwei in Yangpyeong, in der Region Gangwon Daegwallyeong und Hoengseong, in der Region Chungcheong Jecheon und Yesan, in der Region Jeolla Jangseong, Gokseong, Hwasun und Gochang sowie in der Region Gyeongsang Daeunsan und Gimcheon. Gimcheon ist eines von zwei Zentren in der Region Gyeongsang und die einzige nationale Einrichtung in der Provinz Gyeongsangbuk-do. Darüber hinaus gibt es im ganzen Land zahlreiche öffentliche und private Waldheilzentren, die von Kommunen oder privaten Trägern betrieben werden.

Geleitet werden die Programme von Waldtherapie-Fachkräften. Der staatliche Berufsabschluss für die Anleitung von Waldtherapie ist in die Stufen 1 und 2 gegliedert. Voraussetzung sind ein einschlägiger Studienabschluss oder die entsprechende Berufserfahrung, der Abschluss einer Ausbildung bei einer anerkannten Einrichtung und das Bestehen der staatlichen Prüfung. Das bedeutet: Meditation, Atemübungen und Gehprogramme im Wald beruhen nicht allein auf persönlichen Vorlieben, sondern werden innerhalb eines Qualifikationssystems konzipiert.

Für Menschen, die ein Meditationsprogramm suchen, ergeben sich daraus zwei Erkenntnisse. Zum einen findet man landesweit Programme in ähnlicher Form. Zum anderen unterscheiden sich die tatsächlichen Erfahrungen deutlich, weil Baumarten und Gelände von Wald zu Wald variieren. Gimcheons Besonderheit ist der in der Region Gyeongsangbuk-do seltene Birkenwald.

Für Alleinreisende und Gruppen

Wer hierher kommt, sollte sich vorab über die Nutzungsbedingungen informieren. Drei Programme mit Waldspaziergängen und Meditation werden grundsätzlich für Gruppen ab 20 Personen angeboten; individuell anmelden kann man sich nur für die Wärmetherapie. Unternehmen, Schulen oder Vereine haben bei der Planung eines Meditationsprogramms mehr Auswahl. Wer allein in Ruhe spazieren möchte, kann realistisch die Wärmetherapie buchen und anschließend separat die Waldwege erkunden.

Die Teilnahmegebühr wird mit 12.000 Won pro Einzelperson beziehungsweise 10.000 Won pro Person für Gruppen ab 20 Personen bei einer Dauer von zwei Stunden angegeben. Wer den Programmraum separat mietet, zahlt für zwei Stunden 90.000 Won. Kinder unter 36 Monaten sind in Begleitung einer Aufsichtsperson kostenlos.

Reservierung und Anreise

Reservierungen sind über die Website des Koreanischen Instituts für Waldwohlfahrt (www.fowi.or.kr) möglich. Alternativ kann man sich unter 1566-4460 an das Kundenzentrum wenden, das von 9 bis 18 Uhr erreichbar ist. Für Anfragen vor Ort gilt die Nummer 054-434-4670.

Beim Parken ist Vorsicht geboten. Der Parkplatz auf dem Gelände ist ausschließlich für Menschen mit Behinderung vorgesehen; allgemeine Besucher müssen den öffentlichen Parkplatz im Dorf Sudo nutzen. Bequeme Kleidung und Sportschuhe sind vorgeschrieben. Kochen, Rauchen, Zelten und die Mitnahme von Haustieren sind nicht erlaubt.

Welche Jahreszeit eignet sich am besten?

Birken zeigen zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht. Im Sommer, wenn das Laub dicht steht, ist der Kontrast zwischen den weißen Stämmen und den grünen Blättern besonders deutlich. Im Spätherbst und Winter, wenn die Blätter gefallen sind, bleiben nur die weißen Stämme zurück und der gesamte Wald wirkt heller. Wer ein Programm mit Barfußwanderung plant, ist in einer Jahreszeit mit nicht zu kaltem Boden besser aufgehoben. Die Betriebszeiten der einzelnen Programme sind auf der Website allerdings nicht gesondert angegeben; vor dem Besuch sollte man sie daher überprüfen.

Wenn ein halber Tag auf dem Programm steht

Da die Einrichtung keine Übernachtungen anbietet, lässt sich der Aufenthalt einfach planen. Möglich ist, am Vormittag anzureisen, ein zweistündiges Programm zu absolvieren und nach dem Mittagessen noch weiter durch den Wald zu gehen. Ebenso kann man die einstündige Wärmetherapie davor oder danach einplanen. Gruppen können den halben Tag mit Mind-Therapie und Wärmetherapie füllen und so zunächst den Körper bewegen und ihn anschließend wärmen.

Die vier Bereiche des Waldes haben jeweils ihren eigenen Charakter. Im Birkenwald ist der Blick weit und das Licht hell; der Steg durch den Korea-Kiefernwald liegt im dichten Schatten und hat einen ebenen Boden, was das Gehen angenehm macht. Sesimji und das Feuchtgebiet der Koreanischen Halbinsel liegen am Wasser. Wer sich schon vorab einen Platz zum Anhalten und Sitzen aussucht, kann auch außerhalb der Programmzeiten kurze Meditationseinheiten einlegen.

Weil Besucher den öffentlichen Parkplatz im Dorf Sudo nutzen müssen, empfiehlt es sich, bei der Ankunft etwas Zeit einzuplanen. Bequeme Kleidung und Sportschuhe sind vorgeschrieben. Wer ein Programm mit Barfußwanderung gebucht hat, nimmt am besten ein Handtuch zum Abtrocknen der Füße mit.

Ein Ort, der Gehen und Sitzen verbindet

Waldtherapieeinrichtungen in Südkorea sind häufig vor allem auf das Gehen ausgerichtet. Das Nationale Waldheilzentrum Gimcheon stellt dagegen Zeiten der Bewegung und des Innehaltens gleichberechtigt nebeneinander: Barfußwanderung und Meditation in der Hängematte ebenso wie Ensembletrommeln und Waldmeditation. Für Menschen, die erstmals meditieren, ist die Einstiegshürde damit niedriger als bei Programmen, die ausschließlich aus sitzender Meditation bestehen.

Die Gegend um den Sudo-san ist eine ruhige Bergregion im Binnenland der Provinz Gyeongsangbuk-do. Dass sie weit entfernt vom Trubel großer Touristenorte liegt, ist zugleich Nachteil und Vorteil. Einen halben Tag zwischen weißen Bäumen spazieren zu gehen, in einer Hängematte zu liegen und zum Himmel aufzublicken, verleiht dem Aufenthalt die Form einer Meditationsreise, ohne dass man weit verreisen muss.

https://www.fowi.or.kr/user/main/main.do