
Wir leben in einer Zeit, in der Meditation längst nicht mehr fremd ist. Wer eine App öffnet, hört eine Stimme, die die Atmung anleitet; auch in der Unternehmensschulung und in Programmen in Krankenhäusern ist Achtsamkeit inzwischen Teil des Angebots. Doch wer schon einmal länger auf einem Meditationskissen gesessen hat, kennt den Moment: Irgendwann bleibt man ein ums andere Mal kurz stehen. Woraufhin zielt diese Praxis? Und wo genau befindet sich der Platz, an dem ich gerade sitze, auf der gesamten Landkarte? Obwohl man am Ort sitzt, an dem Meditation angeleitet wird, verstummt man vor dieser Frage für einen Augenblick.
Das Buch, das der emeritierte Professor der Wonkwang-Universität, Jung-Sun Il, herausgegeben hat, heißt 〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Meditation Ontologie〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 (Unjusa). Es ist jenes Buch, das an der Stelle liegt, an der man stehen bleibt. Der Untertitel lautet: „Eine Reise ins innere Universum für die Evolution des Bewusstseins und die Vollendung des Lebens.“ Der Autor, promovierter Philosoph in der Buddhologie und ein langjähriger Meditationspraktizierender, reduziert Meditation nicht auf eine Technik, die den Geist zur Ruhe bringt. Stattdessen stellt er die uralte Frage in den Vordergrund: Wer bin ich – und wie sollte ich leben? Das Buchkonzert zur Feier der Veröffentlichung findet am 12. September in Seoul, im Center One in Haebangchon im Bezirk Yongsan, statt.
Der lebenslange Zündfunke, der im Bahnhof begann
Der Ausgangspunkt war eine einzelne Szene. In der zweiten Klasse der Highschool machte der Autor in einem Bahnhof in seiner Heimat einen intensiven inneren Erfahrungsmoment – und damit blieb ihm die Frage nach dem Wesen der „anderen Welt“ und nach „Wer bin ich?“ zurück. Danach begann er mit Danjeon-Atmung und Mantra-Praxis, lernte verschiedene Meditationsmethoden und erforschte als Buddhologe gemeinsam die Meditationslehren des Buddhismus sowie Ideen aus Ost und West und Meditationssysteme.
Um die sechzig herum setzte er sich besondere Gelübde und stieg in ein 1.000-Tage-Wagnis mit unerschütterlichem Durchhalten ein. 〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Meditation Ontologie〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 ist das Ergebnis, das die Erfahrungen und das gelehrte Wissen, die sich vor und nach dieser Praxis verstreut hatten, zu einer einzigen Struktur verknüpft. So ist das Lebenswerk eines Menschen buchstäblich zum Inhaltsverzeichnis geworden. Genau deshalb beginnt das Buchkonzert mit einer ersten Station, die die Erzählung auf der Pfadreise des Autors für den Weg der Selbsterkundung darstellt.
Meditation als Landkarte des Seins – nicht als Technik
Ontologie ist zugleich ein philosophisches Feld, das die grundlegende Struktur des Seins untersucht, und heute auch ein Begriff im Bereich der Künstlichen Intelligenz, um verstreute Daten zu verbinden und eine Struktur von Bedeutung zu schaffen. Der Autor geht davon aus, dass man auch in der Meditation eine solche Arbeit braucht. Es ist sein Problembewusstsein, dass es zwar Praxisformen und Theorien gibt und auch persönliche Erfahrungen in Fülle, aber eine Landkarte fehlt, die zeigt, wie das alles miteinander verbunden ist.
Darum geht das Buch nicht einfach mit Atem- oder Konzentrationsmethoden los. Erst betrachtet es die Entstehung und Veränderung des „Großen Universums“, die Struktur des Menschen als „Kleines Universum“, die verschiedenen Ebenen des Geistes, Kausalität und Karma sowie Leben und Tod – bevor es wirklich in die Welt der Meditation eintritt. Während viele Meditationsschriften sich fragen, wie man meditieren soll, stellt dieses Buch zuerst die Frage: Welches Sein hat der Mensch, der meditiert?
Achtsamkeit, Samadhi – und der Körper
Der Autor ordnet die komplex differenzierte Meditationslehre wieder in zwei Achsen. Das ist sati, die Kraft, wach zu schauen, und samādhi, die Kraft, das Bewusstsein an einem Ort zu bündeln. Dazu verbindet er Fragen nach Körper und Energie sowie nach Chakren und sieht Meditation nicht nur als Aktivität des Geistes, sondern als Praxis, in der Körper und Geist sowie Bewusstsein und Energie gemeinsam in Bewegung geraten. Diese Perspektive, die Körper und Geist nicht trennt, nennt der Autor die Philosophie von „Bomind“.
Wer selbst schon praktiziert hat, nicken bei diesen Stellen. In dem Moment, in dem sich das Bewusstsein verändert, verändert sich stets auch die Atmung; die Kraft in den Schultern lässt nach, und die Körpertemperatur verändert sich.
Kreative Emergenz, Reduktion – und Manifestation
Die eigenständige Komposition des Buches besteht darin, die Meditation in drei Richtungen zu systematisieren. Kreative Meditation ist ein Weg, der durch liebende Güte, Mitgefühl und Schöpfung im realen Leben Glück und Schönheit zum Blühen bringt. Reduktionsmeditation nimmt Anhaftung und einen festgefahrenen Selbstbezug weg, stellt reines Bewusstsein und Energie wieder her und führt zurück zur Quelle. Die eine Richtung füllt und entfaltet, die andere leert aus und kehrt zurück – doch der Autor betrachtet beide Wege als ein Ganzes. Manifestationsmeditation ist die ultimative Praxis, die über diese Reise hinaus mit dem „eigentlichen Sein“ eins wird; sie behandelt „Sangsu-myeol“ (das Erlöschen von dem, was ewig sein soll), Bodhisattvas, Gleichsehkraft (Denggak), Gleichansicht (Deunggak) und „Myojak“.
Der Autor hat zuvor in 〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Das Sūtra der Vier Achtsamkeiten im Großen Kanon und Vipassana-Meditation〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 (Unjusa, 2021) die Achtsamkeitspraxis des frühen Buddhismus analysiert und in 〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Seongri und Seongri-seon〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 die Essenz der Ganhwa-Seon („Betrachtung der Kōan“) behandelt sowie in 〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Die Welt von Tcha und Seon〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 die „Seon-Kultivierung“ des Seon-Buddhismus. 〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Geschichte des Buddhismus in Indien〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 ist ebenfalls eines seiner Bücher. Dieses Mal hat er seinen Horizont auf den Kosmos und den Menschen sowie auf Leben und Tod erweitert.
KI sucht Antworten – der Mensch muss sich selbst finden
Der Satz, mit dem das Buchkonzert wirbt, lautet: „KI sucht Antworten, doch der Mensch muss sich selbst finden.“ Es ist damit auch ein Anlass, bei dem man erneut fragt, wer eigentlich der Eigentümer der Frage ist – in einer Zeit, in der der menschliche Blick bei der Geschwindigkeit des Antwortens die Maschine nicht überholen kann.

Die Veranstaltung beginnt mit einem Vortrag des Autors. Er führt über drei Stränge: die Erzählung auf der Pfadreise des Autors zur Selbsterkundung, eine integrierte Perspektive auf Kreativ- und Reduktionsmeditation sowie einen Meditationsvorschlag für die geistige Revolution im Zeitalter der KI. Nach dem Vortrag folgt ein Gespräch mit dem Autor einschließlich Fragen und Antworten; anschließend gibt es eine Signierstunde und Zeit für Networking. Für Teilnehmende werden Ermäßigungen für eine Sondervorlesung zu „Meditation Ontologie“, Andenken sowie ein kleiner Imbiss gereicht.
Die Vollendung der Meditation liegt mitten im Leben
Dahin, wo das Buch am Ende führt, ist nicht einfach ein besonderes Erlebnis an sich. Der Autor nimmt alle Beziehungen und Gelegenheiten des Lebens als „Feld der Güte“ – und betont den Horizont des „Lebenswegs“, der inmitten des Lärms des Alltags die Anhaftung verringert. Es geht um die Aussage, dass die Vollendung der Meditation nicht auf dem Kissen geschieht, sondern mitten in dem Platz, an dem man lebt.
Für Leserinnen und Leser, die Meditation zum ersten Mal begegnen, wird das Buch zur Landkarte für einen größeren Blick auf die Welt. Für Praktizierende, die Achtsamkeit und Vipassana ebenso wie Seon und Samadhi in unterschiedlichen Formen erlebt haben, wird es zu Koordinaten, die es ermöglichen, die eigenen Erfahrungen erneut innerhalb der gesamten Struktur zu verorten. Auch bei Lesern im mittleren bis höheren Alter, die nach dem Erreichen von Zielen erneut die Bedeutung des ganzen Lebens hinterfragen, kommt diese Problemperspektive nah heran. Der Autor hinterlässt am Ende des Buches einen Satz: „Wir sind nicht Wesen, die ständig das, was uns fehlt, hinzufügen müssen, sondern Wesen, die bereits in der Tiefe Möglichkeiten voller Ganzheit in sich tragen. Du bist ganz.“ (You are Whole).
〈LDOUBLE_CORNER_BRACKET〉Meditation Ontologie〈RDOUBLE_CORNER_BRACKET〉 zur Feier der Veröffentlichung findet am 12. September 2026 von 14:00 Uhr bis 15:30 Uhr im dritten Stock des Center One in Haebangchon statt, Adresse: Singheung-ro 11beonji, Bezirk Yongsan, Seoul. Der Ort liegt 400 m vom Ausgang 2 des Bahnhofs Noksapyeong der Linie 6 der U-Bahn entfernt. Die Teilnahmegebühr beträgt 10.000 Won inklusive Getränke. Die Anmeldung erfolgt, indem man das Antragsformular über den QR-Code des Posters ausfüllt und anschließend die Teilnahmegebühr einzahlt.
Hinweise zur Veranstaltung
Datum 12. September 2026, 14:00–15:30
Ort Center One, 3. Stock (Singheung-ro 11beonji, Bezirk Yongsan, Seoul, Haebangchon)
Teilnahmegebühr 10.000 Won (inklusive Getränke)
Anmeldung: QR-Code, Antragsformular ausfüllen und Teilnahmegebühr einzahlen
Anfrage 010-7657-6802
