Kloster Benediktushof - Sitzmeditation zieht ein, wo früher ein Kloster stand

Im mittleren Deutschland, im Aalbach-Tal, gab es etwa ab dem 8. Jahrhundert ein Benediktinerkloster. Im 12. Jahrhundert erlebte es seine Blütezeit und schloss im Zuge der Reformation im Jahr 1552 seine Tore. Mehrmals wurde es wiederbelebt, doch nach der Säkularisierung schloss es 1802 erneut. Anschließend nutzte man die Gebäude als Gutshof und Unterkunft; seit 1995 blieb es leer.

Dass dieser Ort wieder geöffnet wurde, ist auf das Jahr 2002 zurückzuführen. Die Unternehmerin Gertraud Gruber erwarb das Gelände und übergab es an den spirituellen Leiter Willigis Jäger, der daraufhin ein Meditationszentrum namens Benediktushof startete. Jäger, der christliche Kontemplationsgebete und Zen gemeinsam lehrte, verstarb 2020. Auch Gruber folgte ihm 2022. Heute wird die spirituelle Leitung von Alexander Poraj, Fernand Braun und Maria Kolek Braun übernommen.

Ein Meditationszentrum ohne die Frage nach der Religion

Die hier verfolgten Prinzipien sind klar. Meditation und Achtsamkeit sind nicht an Kultur oder Religion gebunden. Zwar startete das Projekt in den Klostergebäuden, doch es setzt keine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Konfession voraus. Stattdessen werden christliche Kontemplationsgebete und Zen-Praxis nebeneinander im selben Raum unterrichtet.

Dass sich östliche Traditionen des Sitzen-in-Stille und westliche Klosterstille unter einem Dach begegnen, ist auch in Europa selten. Dass sich die Art des Sitzens auf dem Meditationskissen und das Ablegen der Gebetssprache nicht gegenseitig ausschließen, sondern parallel nebeneinander bestehen, prägt die Ausrichtung des Zentrums.

Klosterhof, Zen-Garten und Irrgarten

Auf dem Gelände sind die Kreuzgänge des früheren Klosters erhalten. Für die Sitzmeditation gibt es einen Meditationsbereich, einen Zen-Garten sowie einen Irrgarten, in dem man beim Gehen den Geist beruhigen kann. Zwischen 2012 und 2013 wurde der Ostflügel ausgebaut, um Seminar- und Unterkunftskapazitäten zu vergrößern.

Für die Gäste, die hier übernachten, gibt es zudem Annehmlichkeiten. Ein Bistro namens Troand, in dem sich die Menschen am Abend treffen, ein Buchladen und ein Café sowie ein Hofverkaufsladen sind auf dem Gelände eingerichtet.

Was wird vermittelt?

Die Programme bauen auf Zen-Praxis, Kontemplationsgebete und Achtsamkeit. Hinzu kommen ein auf Achtsamkeit basierender Kurs zur Stressminderung (MBSR) sowie Yoga- und Seminare zur persönlichen Weiterentwicklung. Außerdem werden Kurse angeboten, die sich mit Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten befassen.

Die Formen reichen vom intensiven Üben, bei dem man mehrere Tage in Stille verbringt, bis hin zu kurzen Einheiten im Wochenendrhythmus. Für Menschen, die Meditation zum ersten Mal kennenlernen, gibt es einen Einsteigerkurs, für langjährig Übende einen Vertiefungskurs. So können die Teilnehmer je nach Erfahrungsstand auswählen. Konkrete Termine, die Leiter und die Teilnahmegebühren werden jedes Jahr über die Programmhinweise veröffentlicht.

Die Adresse lautet Klosterstraße 10, 97292 Holzkirchen/Unterfranken. Das Zentrum gehört zur Region Südfanken zwischen Frankfurt und Würzburg.

Mit der Bahn ist der Ausgangspunkt der Hauptbahnhof Würzburg. Von dort fährt man mit einem Regionalbus weiter; Linien und Zeiten lassen sich auf der Website zur Verkehrsinformation aus Bayern (bayern-fahrplan.de) nachschlagen. Die Rezeption des Zentrums unterstützt bei der individuellen Routenplanung und bietet auch Hilfe bei der Vermittlung von Taxi-Partnerunternehmen.

Mit dem Auto fährt man über die Autobahn A3 zur Ausfahrt Helmstadt, nimmt anschließend die B8 in Richtung Markt Heidenfeld und biegt nach der Ausfahrt aus dem Ort Uettingen nach links ab. Von dort sind es bis nach Holzkirchen 4 km. Aus Richtung Frankfurt nutzt man die Ausfahrt Wertheim/Ren dorf an der A3; wer die A7 nimmt, wechselt nach der Abzweigung Wiebellieder auf die A3 und nutzt dann die Ausfahrt Helmstadt. Auch ein Programm zur Vermittlung von Fahrgemeinschaften zwischen den Teilnehmern wird im Rahmen der Anmeldung angeboten.

Für Anfragen erreicht man das Zentrum telefonisch unter 09369-9838-0 oder per E-Mail an info@benediktushof-holzkirchen.de. Die offizielle Website ist auf Deutsch und Englisch verfügbar.

Zeit, in der die Stille im Mittelpunkt steht

Der Aspekt, der für Menschen, die ein Zentrum dieser Art zum ersten Mal aufsuchen, am fremdesten ist, ist die Umgebung, in der die Zahl der Worte zurückgeht. Bei mehrtägigen Einheiten ist es üblich, auch in den Zeiten für Mahlzeiten und Wege den Austausch zu reduzieren. Das ist ein Mechanismus, um Bedingungen zu schaffen, die sich gegenseitig nicht stören. In Gesprächen unter den Teilnehmern heißt es außerdem häufig, dass es einen Tag oder zwei dauert, bis man daran gewöhnt ist.

Der überwiegende Teil des Programms setzt sich aus Sitzzeiten, Gehzeiten sowie Mahlzeiten und Ruhezeiten zusammen. Auch deshalb gibt es im Gelände den Kreuzgang, den Zen-Garten und den Irrgarten. Zwischen den Sitzphasen ist der Raum so angelegt, dass sich der Körper in regelmäßigen Abständen bewegt und der gleiche innere Zustand erhalten bleibt.

Eine Spielart der Meditationsreisen in Europa

Bei den Meditationsreisen in Europa liegt der Schwerpunkt häufig auf Wellness-Resorts, insbesondere auf Spas und Kurorten. Der Benediktushof setzt einen anderen Akzent. Statt Bequemlichkeit als Produkt in den Vordergrund zu stellen, stellt man die Zeit des Aushaltens von Stille in den Mittelpunkt. Dabei nutzt man die alte bauliche Struktur des Klosters und hat darin die Sitzmeditation eingerichtet.

Für Reisende, die in Korea Temple-Stays erlebt haben, ist das ein vertrauter, zugleich aber anders empfundener Ort. Anstelle der Morgengebete im Tempel gibt es die Stille im Kreuzgang. Anstelle des Holzschlägers in der Meditationshalle liegen dort gemeinsam die Worte der Kontemplationsgebete. Für Reisende, die während ihres Europa-Programms einige Tage ruhig verbringen möchten, ist das eine Option, die sich lohnt zu prüfen.

Vor dem Besuch zu bedenken

Die Buchung erfolgt kursweise. Zuerst sollte man daher die Programmentermine prüfen und dann erst anmelden. Vor der Anmeldung empfiehlt es sich außerdem zu klären, ob Unterkunft und Verpflegung im Kurs enthalten sind und ob sie separat abgerechnet werden.

Wenn man gerade auf Reisen in Europa ist, ist ein Weg über Frankfurt ein einfacher Ausgangspunkt. Würzburg gilt auch als Startpunkt der Romantischen Straße; daher ist es möglich, einen Tag vor oder nach der Übung anzuhängen, um die Stadt zu besichtigen. Wer durch die Sprache belastet ist, sollte vor der Anmeldung sicherheitshalber nachfragen, ob die Einheiten auf Englisch abgehalten werden.